Wichtige Tips für Verstrahlte

Von Bernadette Becquerel

Das ostfranzösische Atomkraftwerk Cattenom, eine Meisterleistung, was Pannen anbelangt, kann täglich weite Teile des Saarlandes, Lothringens, Luxembourgs, Belgiens und von Rheinland Pfalz auf lange Sicht unbewohnbar machen. Kommt es morgen zum Supergau, ist nicht mal eine Evakuierung der Bevölkerung rund ums AKW durchführbar. Die Folgen wären zunächst schrecklich. Doch es gilt, Ruhe zu bewahren und die letzten Tage und Stunden geordnet zu verbringen. Wohl dem, der jetzt eine Wohnzimmerflak und eine haushaltsübliche Menge Patronen sein eigen nennen kann. Ihre Solidarität mit den Nachbarn ist jetzt gefragt. Schwärmen Sie aus und bieten ihnen Hilfestellung bei der Reise ins Jenseits an. Seien Sie ehrlich, den einen oder anderen wollten Sie sowieso schon mal umlegen. Vergessen Sie jedoch bitte nicht, eine Handvoll Patronen für sich aufzuheben. Jetzt aber zu Ihrem Ableben.

Als Premiumtrinker sollten Sie wissen, wann Ihre Motorik die ersten Aussetzer hat. Kippen Sie daher nur so viel in sich rein, wie nötig. Wenn die Hand zu zittern beginnt, müssen Sie so lange warten, bis ein sicherer Schuss ihr sofortiges Ableben garantiert. Vermeiden Sie in jedem Fall ein Komasaufen. Sie werden irgendwann wach, und ein verstrahlter Kater wird Sie unnötig plagen. Für die Freunde des rustikalen Ablebens ist ein solider Strick stets das Richtige. Üben Sie ruhig schon mal auf dem Speicher oder in Ihrem Schuppen. Springen Sie keinesfalls vom Dach Ihres Hauses oder gehen in den nächst gelegenen Fluss. Niemand wird Sie von der Straße aufkehren oder aus dem Wasser ziehen. Eine Cäsium-, Plutonium-, oder Strontium- 90-Party im Freundeskreis hilft Ihnen mit Sicherheit zu unvergesslichen letzten Stunden und versüßt Ihnen die Halbwertzeit bis ins Jenseits. Bloß keine Panik aufkommen lassen, es wird alles halb so schlimm.

Wenn auch für die Spezies Mensch nach dem Supergau von Cattenom die Region unbewohnbar sein wird, so wird die Natur eine gewisse Dankbarkeit gegenüber dem Pannenmeiler Cattenom empfinden. Fast 1000 Jahre ohne Kontamination durch Menschen bekommt der Natur wie eine Neugeburt nach der Sintflut. Keine Sorge, einen Depp wie Noah mit seiner Arche wird es diesmal nicht geben.

Dann aber wird Gott, der Herr, im Herzen Europas an Saar und Mosel sowie einigen anderen Flüssen, Bächen und Tümpeln sich mit Eifer daran machen, einen völlig neuen Menschen zu schaffen. Damit der Mensch der Zukunft besser denken kann, wird er zwei dicke Köpfe haben. Vier Arme und sechs Beine werden den Menschen wesentlich besser malochen lassen. Männchen werden außerdem zwei Pimmel und Weibchen vier Brüste wachsen.(Aufhören Sie olle Sexistin!!! – Die Red.) In der schönsten Region Mitteleuropas werden blühende Gärten entstehen, und die ersten Kapitalisten werden voll des Lobes über ihr Super-Humankapital sein.

Der Supergau kann also kommen. Lieber heute als morgen. Nehmen Sie es gelassen. Wenn Sie jetzt gleich zur Wohnzimmerflak greifen, denken Sie am besten an den Mond. Der wird in 1000 Jahren immer noch dort oben stehen und den ersten neuen Nachtbummlern den Heimweg erleuchten. Bis dann also – Das war Satire!