AKW CATTENOM & ATOMKRAFTWERKE WELTWEIT ABSCHALTEN

Notfallpläne SAAR

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Wann wird bei einer atomaren Katastrophe in Cattenom im Saarland evakuiert?

Bei einer atomaren Katastrophe in Cattenom sind „konkret betroffene Evakuierungsgebiete nicht vorab festzulegen“. Dies würde je nach „radiologischer Lage“ entschieden werden!! Weiter lesen ...im PDF Format

Die Umgebung des AKW Cattenom wird im Saarland an 3 ortsfesten Messstationen; in Perl, Biringen und Berus überwacht: Dort wird Radioaktivität in den Umweltmedien Luft, Wasser, Boden und Lebensmittel an vielen Messpunkten in der Nähe der deutsch-französischen Grenze gemessen.Wenn der eingestellte Grenzwert (die Grenzwerte sind uns unbekannt) überschritten wird, werden die saarländischen Behörden automatisch alarmiert. Messergebnisse hier http://www.strahlung-rlp.de

Das saarländische Umweltministerium beobachtet auch die Strahlenauswirkung der Atomkatastrophe von Japan im Saarland

Generell wird eine atomare Katastrophe erst gemeldet, wenn jene bereits eingetreten ist.  Wenn Radioaktivität austritt, wird jene nach Auswertung der Messwerte festgestellt. Ab diesem Zeitpunkt wird nach ERNST DER LAGE entschieden. Evakuiert wird nach Höhe der Messwerte und je nach Windrichtungen. Wenn der Wind also Richtung Perl-Trier weht, wird in dem betroffenen Gebiet evakuiert. Beispiel: Wir ließen am 11.03.12 in Schengen auf dem Europaplatz 3000 Luftballons steigen. Zuerst flogen die Luftballons in Richtung Cattenom, Frankreich. Nach 15 Minuten flogen die Luftballons wieder in Richtung Saarland zurück.

Also befinden sich im Falle einer Evakuierung alle Evakuierungskräfrte in dem Gebiet Perl-Trier. Wenn sodann der Wind innerhalb 15 Minuten Richtung Perl-Saarbrücken dreht, will man uns erzählen, dass sich die Evakuierungskräfte innerhalb 15 Minuten von einem Gebiet in ein anderes Gebiet bewegen, um dort 1000ende Betroffene aus diesem Gebiet zu Evakuieren?

Und seien wir doch mal ganz ehrlich; würden diejenigen, die die Evakuierungsmaßnahmen zu leiten haben, nicht zuerst ihre eigene Haut retten wollen?

Eine kurze Bestandsaufnahme der Evakuierungspläne: Wer kann rette sich

UND VIELE ANDERE FRAGEN BLEIBEN WEITERHIN OFFEN: Wie die Betreiber EDF bekannt gaben - sollen mehrere Milliarden in ein Flickwerk im AKW Cattenom investiert werden. Die Investitionen sollen nur vollzogen werden, wenn die Betreiber eine Garantie bekommen, dass der Pannenmeiler Cattenom mindestens 30 Jahre weiter betrieben werden darf. Wenn all dies realisiert wird, dann bleiben unzählige Fragen offen!!

Diesen Fragekatalog hat Ute Schlumpberger 2010 mündlich im Gemeinderat Perl dem Bürgermeister gestlellt. Die Antworten sind erschütternd.

1) Sind für die Kitas – Kigas und Schulen in den saarl. Gemeinden und Städten im Hinblick auf die Möglichkeit eines jederzeit möglichen Supergau im direkt benachbarten AKW Cattenom ein Notfallplan ausgearbeitet respektiv eingeführt? ANTWORT: NEIN

2) Wird generell jährlich mit den Kindern und Schülern im Rahmen einer Notfallübung für den Fall eines möglichen Supergau vom zeitlichen und organisatorischen Ablauf geübt? ANTWORT: NEIN

3) Sind Kitas – Kigas – und Schulen in den saarl. Gemeinden und Städten in ausreichender Menge mit Jod-Tabletten bevorratet? ANTWORT: NEIN

4) Müssen die Eltern in Betracht der Möglichkeit eines nuklearen Gau im direkt benachbarten AKW Cattenom eine Genehmigung zur Einnahme der Jod - Tabletten an das pädagogische Fachpersonal erteilen? ANTWORT: UNBEKANNT

5) Sind in den saarl. Gemeinden und Städten für den Fall eines nuklearen Gau dementsprechende Schutzbunker vorhanden/vorgesehen und wie viele Menschen können sich darin und wie lange aufhalten? ANTWORT: NEIN

6) Sind in den Kitas – Kigas und Schulen in den saarl. Gemeinden und Städten für den Fall eines nuklearen Gau adäquate Schutzbunker vorhanden oder vorgesehen? ANTWORT: NEIN

7) Wie oft finden Probealarme respektiv Notfallübungen für den Fall eines nuklearen Gau in den saarl. Gemeinden und Städten für unsere Bürger – innen statt? ANTWORT: KEINE

8) Wie gut sind unsere Bürgerinnen & Bürger für den Fall eines nuklearen Gau informiert? ANTWORT: PER INFOBROSCHÜREN (die keiner wegen seiner Komplexität versteht)

9) Sind auf den Internetpräsenzen der Gemeinden und Städte respektiv in den Amtsblätter adäquate Informationen für unserer Bürgerinnen & Bürger in Bezug auf einen nuklearen Gau im AKW Cattenom bereit gestellt; wie z.B. ein Notfallplan, Erste Hilfe Maßnahmen, erste Anlaufstellen im Fall eines nuklearen Störfalls, Lagerung – Bevorratung – Austeilen der Jod-Tabletten, geplante Notfallübungen (Katastrophenalarm), Hinweise auf Probealarme bei nuklearen Störfällen, Standort eines oder mehrerer für den nuklearen Störfall vorhandener adäquater Schutzbunker? ANTWORT: NEIN

10) Sind oder werden die Störfälle und/oder Notabschaltungen oder andere Vorkommnisse im AKW Cattenom sowie die Messungen des Moselswasser und deren Ergebnisse auf den Internetpräsenzen der saarl. Gemeinden und Städte respektiv in den Amtsblättern für unserer Bürgerinnen & Bürger publiziert? ANTWORT: NEIN

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Notfallplan zur Evakuierung der Bevölkerung des Kreises Merzig-Wadern um das französische Kernkraftwerk Cattenom

(Notfallplan-MZG-Evakuierung) Stand: Mai 2011
Quelle: http://www.merzig-wadern.de/media/custom/697_4900_1.PDF?1300466280

© 2011 Landkreis Merzig-Wadern
Verfasser: Jürgen Weber, SKO

Mitwirkung: Mitarbeiter RLS des ZRF-Saar

Der Evakuierungsplan ist Bestandteil des Notfallplan-MZG-Cattenom und dieser ist wiederum Bestandteil des Katastrophenschutzplanes des Landkreises Merzig-Wadern
Notfallplan-MZGEvakuierung
Seite 2 von 46 Stand Mai 2011
Inhaltsverzeichnis
SCHNELL–HILFE in Farbe
Evakuierungsanordnung
Evakuierungs- und Auffanggebiete
Evakuierungsrouten und Verkehrsregelungen
Anwesenheitsbevölkerung
Sammel- und Haltestellen
Transportbedarf und -mittel
Aufbau und Betrieb der Notfallstation
I. Externer TEIL (öffentlicher Teil)
0. Vorblätter
0.1. Ansprechstellen
0.2. Fortschreibung
0.3. Verteilerverzeichnis
1. Allgemeines
1.1. Vorbemerkung
1.2. Rechts- und Planungsgrundlagen
1.3. Gliederung des Planungsbereiches
1.4. Kreis- und Bevölkerungsbeschreibung
2. Zuständigkeiten
2.1. Zuständigkeiten und Aufgaben des Landes
2.1.1. Meldungen
2.1.2. Maßnahmen
2.1.3. Benachrichtigung der Leitstellen im Saarland
2.1.4. Unterrichtung der Bevölkerung, Presse und Medien
2.2. Zuständigkeiten und Aufgaben des Landkreises
2.2.1. Unterrichtung von Behörden und sonstiger Stellen im Landkreis
2.2.2. Durchführung der angeordneten Evakuierung im Landkreis
2.2.3. Amtshilfe anderer Behörden, Dienststellen und sonstiger Stellen
2.3. Zuständigkeiten der Städte und Gemeinden
2.4. Zuständigkeiten der Polizei
3. Organisation
3.1. Krisenmanagement des Landes
3.1.1. Koordinierungsgruppe - Land
3.2. Krisenmanagement des Landkreises
3.2.1. Verwaltungsstab
Notfallplan-MZGEvakuierung
Seite 3 von 46 Stand Mai 2011
3.2.2. Führungsstab
3.2.3. Koordinierungsgruppe
3.3. Krisenmanagement der Gemeinden
3.3.1. Krisenstab
4. Evakuierung
4.1. Evakuierungsanordnung
4.2. Evakuierungsgebiete
4.3. Evakuierungsablauf
4.4. Evakuierungssammelstellen
4.5. Evakuierungsrouten
4.6. Auffanggebiete
4.7. Notunterkünfte
4.8. Notfallstationen
4.9. Transport
5. Evakuierungsmaßnahmen
5.1. Aufrufe an die Bevölkerung zur Evakuierung
5.2. Evakuierung der Bevölkerung
5.3. Evakuierung von Schulen und Kindergärten
5.4. Evakuierung von Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheime, Senio-ren- und Rehabilitationseinrichtungen, Kinder- und Jugendeinrich-tungen
5.5. Transport der Bevölkerung
5.6. Verkehrsregelungen, -lenkungen und -einschränkungen
5.6.1. Kennzeichnung der Evakuierungsrouten
5.6.2. Freihalten der Evakuierungsrouten
5.6.3. Sperrung von Verkehrswegen
5.7. Auffanggebiete und Notunterkünfte
5.8. Sanitäts- und betreuungsdienstliche Versorgung
5.9. Medizinischen Behandlung und Betreuung
5.10. frei
6. Einrichtung und Betrieb der Notfallstationen
6.1. Planungsziele
6.2. Einrichtung und Ausstattung
6.2.1. Gebäuden
6.2.2. Informationszentrale
6.2.3. Materielle Ausstattung
6.2.4. Personelle Ausstattung
6.3. Befragung durch Erhebungsbogen
6.3.1. Dosisabschätzung
6.3.2. Inkorporation
6.3.3. Entscheidung
6.4. Dekontamination
6.4.1. Richtwerte zur Dekontamination der Haut
6.4.2. Ganzkörperexposition durch großflächige Hautkontamination
6.4.3. Messverfahren für die Kontaminationsmessung
6.4.4. Strahlenexposition des Hilfspersonals
6.4.5. Ärztliche Beurteilung in der Notfallstation
7. Unterrichtung der Bevölkerung und Medien
Notfallplan-MZGEvakuierung
Seite 4 von 46 Stand Mai 2011
7.1. Aufrufe an die Bevölkerung zur Evakuierung
7.2. Aufhebung aller Evakuierungsmaßnahmen
8. Aufhebung der Evakuierung
8.1. Aufhebung der Anordnung der Evakuierung
8.2. Einstellung aller Evakuierungsmaßnahmen
9. Begriffe und Definitionen im Strahlenschutz
Notfallplan-MZGEvakuierung
Seite 5 von 46 Stand Mai 2011
II. Interner Teil (nicht öffentlich)
1. Evakuierungsanordnung
1.1. Anordnung der Evakuierung
1.2. Bekanntgabe der Evakuierungsanordnung
1.3. Durchführung der Evakuierung
2. Evakuierungs- und Auffanggebiete
2.1. Evakuierungsgebiete
2.1.1. Evakuierungsgebiet Sektor 1 und 2
2.1.2. Evakuierungsgebiet Sektor 3
2.2. Auffanggebiete und Unterkünfte
2.2.1. Auffanggebiet für Sektor 1 u. 2
2.2.1.1. Auffanggebiet I mit Unterkünfte
2.2.1.2. Auffanggebiet II (Alternative) mit Unterkünfte
2.2.2. Auffanggebiet für Sektor 3
2.2.2.1. Auffanggebiet I mit Unterkünfte
2.2.2.2. Auffanggebiet II (Alternative) mit Unterkünfte
3. Evakuierungsrouten und Verkehrsmaßnahmen
3.1. Evakuierungsrouten
3.1.1. Evakuierungsrouten für Sektor 1 und 2 zum Auffanggebiet I
3.1.2. Evakuierungsrouten für Sektor 1 und 2 zum Auffanggebiet II (Alter-nativ)
3.1.3. Evakuierungsrouten für Sektor 3 zum Auffanggebiet I
3.1.4. Evakuierungsrouten für Sektor 3 zum Auffanggebiet II (Alternativ)
3.2. Verkehrsmaßnahmen
3.2.1. Verkehrsregelung für Sektor 1
3.2.2. Verkehrsregelung für Sektor 2
3.2.3. Verkehrsregelung für Sektor 3
3.2.4. Freihalten der Evakuierungsrouten
3.2.5. Beschilderung von Verkehrswegen
3.2.6. Straßensperrungen
3.2.6.1. Straßenabsperrgerät MZG
3.2.6.2. Straßenabsperrgerät SLS
4. Anwesenheitsbevölkerung
4.1. Anwesenheitsbevölkerung (Tag/Nacht) in Sektor 1
4.2. Anwesenheitsbevölkerung (Tag/Nacht) in Sektor 2
4.3. Anwesenheitsbevölkerung (Tag/Nacht) in Sektor 3
5. Sammel- und Haltestellen
5.1. Sammel- und Haltestellen im Sektor 1
5.2. Sammel- und Haltestellen im Sektor 2
5.3. Sammel- und Haltestellen im Sektor 3
6. Transportbedarf und -mittel
6.1. Übersicht und Erreichbarkeit der Busunternehmen
6.2. Transportbedarfsübersicht der zu transportierenden Personen aus Sek-tor 1 und 2
6.3. Transportrouten aus Sektor 1 u. 2 zum Auffanggebiet I / II (Alternativ)
Notfallplan-MZGEvakuierung
Seite 6 von 46 Stand Mai 2011
6.4. Transportbedarfsübersicht der zu transportierenden Personen aus Sek-tor 3
6.5. Transportrouten aus Sektor 3 zum Auffanggebiet I / II (Alternativ)
7. Aufbau und Betrieb der Notfallstation
7.1. Aufbau und Betrieb der Notfallstation
7.2. Versorgung der Evakuierten und Kräfte
7.3. Aufruf an die Bevölkerung um Notfallstation aufzusuchen
7.3.1. Mustertext „Verhalten in der Notfallstation“
7.3.2. Mustertext „Verlassen der Notfallstation“
7.4. Verzeichnis der Notfallstationen
7.5. Einsatz von Nuklear- und Allgemeinmediziner
7.6. Liste der Krankenhäuser für strahlenexponierte Patienten
Notfallplan-MZGEvakuierung
Seite 7 von 46 Stand Mai 2011
III. Anlagen und Nachschlagewerke
Anlagen
Anlagen 1:
1.1. Karte: Gesamtdarstellung der Sektoren 1, 2 und 3
1.2. Karte: Gesamtdarstellung der Auffanggebiete I und II (Alternativ)
1.3. Karte: Evakuierungssektoren 1 und 2 mit Auffanggebiete I und II (Al-ternativ)
1.4. Karte: Evakuierungssektor 3 mit Auffanggebiet I und II (Alternativ)
1.5. Karte: Evakuierungsrouten aus Sektor 1 und 2 zu den Auffanggebieten
1.6. Karte: Evakuierungsrouten aus Sektor 3 zu den Auffanggebieten
1.7. Karte: Lageplan der Notfallstation Wadern (Stadthalle)
1.8. Karte: Lageplan der Notfallstation Siersburg (Niedtalhalle)
1.9. Karte: Lageplan der Notfallstation Saarlouis-Roden (Sporthalle)
1.10. Karte: Lageplan der Notfallstation Püttlingen (Trimm-Treff-Halle)
1.11. Merkblatt: Informationen zur Notfallstation
1.13. Merkblatt: Verhalten nach Verlassen der Notfallstation
1.14. Info-Blatt: Abschätzung der Strahlenexposition durch Inhalation von radioaktiven Staubteilchen
1.15. Info-Blatt: Mittlere effektive Dosis der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2007
1.16. Info-Blatt: Mittlere Dosiswerte (Standardpatient 75 +/- 5 Kg Körper-gewicht) bei häufigen radiologischen Untersuchungen im medizinischen Bereich
1.17. Info-Blatt: Tabelle über Strahlenexposition von Leitorganen mit mehr als 15 Sievert und deren Strahlensyndromen
1.18. Info-Blatt: Kontaminationsmessgeräte mit Dosisrichtwerte für Einsatz-kräfte
1.19. Info-Blatt: Linkliste über öffentlich zugängliche Internetseiten über Strahlenschutzthemen
1.20. Info-Blatt: Begriffe und Definitionen im Strahlenschutz
Nachschlagewerke
Anlagen 2:
2.1. Aufbau und Betrieb der Notfallstation Wadern (Stadthalle)
2.2. Aufbau und Betrieb der Notfallstation Siersburg (Niedtalhalle)
2.3. Aufbau und Betrieb der Notfallstation Saarlouis-Roden (Sporthalle)
2.4. Aufbau und Betrieb der Notfallstation Püttlingen (Trimm-Treff-Halle)
2.5. Frei
Notfallplan-MZGEvakuierung
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0.1. Ansprechstellen:
I. Koordinierungsstelle, Ministerium für Inneres und
Krisenstab und Europaangelegenheiten
Katastrophenschutz Referat D 6
des Saarlandes Mainzer Straße 134-136
66121 Saarbrücken
II. Koordinierungsstelle,
Krisenstab und Landkreis Merzig-Wadern
Bevölkerungsschutz Brand- u. Bevölkerungsschutz,
des Landkreises Rettungswesen
Bahnhofstraße 44
66663 Merzig
III. Katastrophenmeldestelle
des Ministeriums für Inneres und Führungs- und Lagezentrale
Europaangelegenheiten (FLZ) der Vollzugspolizei des Saarlandes
Mainzer Straße 134-136
66121 Saarbrücken
IV. Katastrophenmeldestelle
für den Landkreis Merzig-Wadern Berufsfeuerwehr Saarbrücken
Haupteinsatzzentrale (HEZ)
Hessenweg 7
66111 Saarbrücken
V. Messzentrale des Landes Landesamt für Umweltschutz
und Arbeitsschutz (LUA)
Fachbereich „Radioanalytik“
Don-Bosco-Straße 1
66119 Saarbrücken
VI. Radioaktivitätsmessstelle Universitätsklinikum des
Saarlandes
Gebäude 76
66424 Homburg
VII. Regionales
Strahlenschutzzentrum Universitätsklinikum des Saar-landes
Klinik für Nuklearmedizin
66424 Homburg
Notfallplan-MZGEvakuierung
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02. Fortschreibungen

Der Notfallplan – MZG – Evakuierung ist nach Bedarf fortzuschreiben. Wichtige Änderungen, Ergänzungen und Erkenntnisse sind als besondere Fortschreibung sofort vorzunehmen. Alle Empfängerstellen dieses Planes sind aufgefordert, in ihrem Geschäftsbereich die notwendige Fortschrei-bung durchzuführen und sicherzustellen, dass der Landkreis Merzig-Wadern, Brand- und Bevölkerungsschutz, Rettungswesen, Bahnhofstraße 44 in 66663 Merzig zum Zwecke der allgemeinen Unterrichtung davon in jedem Falle unverzüglich Kenntnis erhält.
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Fortschreibung
Stand der Fort-schreibung
Vorgang Zeichen /Az / Datum
Anlass periodische/- bes. Fortschreibung
Erledigung
Handzeichen
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0.3. Verteilerverzeichnis (CD)
Empfänger E-xemplare
Ministerium für Inneres und Europaangelegenheiten -1-
Ministerium für Arbeit, Familie, Prävention, Soziales und Sport -1-
Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr -1-
Ministerium für Bildung -1-
Ministerium für Gesundheit und Verbraucherschutz -1-
Landesamt für Umwelt- und Arbeitschutz -1-
Radioaktivitätsmessstelle an der Universitätsklinik des Saarlandes -1-
Landeskommando Saarland in Saarlouis -1-
Landkreis Saarlouis -1-
Landkreis St. Wendel -1-
Landkreis Trier-Saarburg -1-
Stadt Merzig -1-
Stadt Wadern -1-
Gemeinde Beckingen -1-
Gemeinde Losheim am See -1-
Gemeinde Mettlach -1-
Gemeinde Perl -1-
Gemeinde Weiskirchen -1-
Rettungsleitstelle des Saarlandes -1-
Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung -1-
(ZRF Saar)
Führungs- und Lagezentrale der Vollzugspolizei des Saarlandes -1-
Landeskriminalamt (LKA) -1-
Polizeibezirk Merzig-Wadern -1-
Administration le service de secours de luxembourg -1-
Hinweis:
Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit wird der Notfallplan-MZG-Evakuierung ne-ben der CD-Version nur in Papierform an das Ministerium für Inneres und Eu-ropaangelegenheiten, die kreisangehörigen Städte und Gemeinden, die an-grenzenden Landkreise sowie an die Polizei verteilt.
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1. Allgemeines
1.1. Vorbemerkung
Eine Evakuierung kann als vorsorgliche Schutzmaßnahme nötig wer-den, wenn auf Grund einer Notfallsituation im Kernkraftwerk Cattenom eine spätere, erhebliche Freisetzung radioaktiver Stoffe in die Umwelt nicht ausgeschlossen werden kann oder eingetreten ist und der Auf-enthalt in einem Gebiet, in dem sich eine erhöhte Menge radioaktiver Stoffe abgelagert hat, nicht mehr vertretbar ist. Sollte eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung durch eine erhebliche Freisetzung ra-dioaktiver Stoffe in die Umwelt absehbar sein, werden die Katastro-phenschutzbehörden im gefährdeten Gebiet eine Evakuierung behörd-lich anordnen. Im Falle eines schweren Unfalls im französischen Kern-kraftwerk Cattenom mit radioaktiver Freisetzung in die Umwelt, ist die saarländische Bevölkerung innerhalb der Außenzone betroffen.
Der Minister für Inneres und Europaangelegenheiten als Oberste Ka-tastrophenschutzbehörde kann neben der Empfehlung zum Aufenthalt in Gebäuden oder das gefährdete Gebiet zu verlassen, als letztes Mittel zum Schutz der Bevölkerung eine behördliche Evakuierung in Form ei-ner Allgemeinverfügung (Verwaltungsakt) nach dem saarländischen Verwaltungsverfahrensgesetz (VwVfG) anordnen.
Die behördliche Anordnung der Evakuierung von gefährdeten Gebieten kommt in Betracht, wenn
a) aufgrund einer unkontrollierten Freisetzung durch das Atom-kraftwerk Cattenom nach routinemäßiger Auswertung der Mess-daten der automatischen Messstationen eine Strahlenbelastung festgestellt wird, die eine unmittelbare Gefahr für die Gesund-heit der saarländischen Bevölkerung darstellt.
b) nach einer unkontrollierten Freisetzung durch das Atomkraft-werk Cattenom eine hieraus abzuleitende Strahlenbelastung der saarländischen Umwelt festgestellt wird, die zu einer mit an Si-cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer unmittelbaren Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung führen kann oder führen wird.
Die Untere Katastrophenschutzbehörde des Landkreises hat für den höchst unwahrscheinlichen Fall einer Evakuierung, die um den Standort des französischen Kernkraftwerkes Cattenom auf saarländischem Ge-biet erforderlich werden könnte, den Notfallplan – MZG - Evakuie-rung vorbereitet. Im Notfallplan sind die Abläufe einer Evakuierung und die Verbringung der Evakuierten in Notfallunterkünften in den zu-gewiesenen Auffanggebiete planerisch dargestellt. Alle Maßnahmen werden mit einzubeziehenden Behörden und Stellen im Auftrag der Obersten Katastrophenschutzbehörde eigenverantwortlich durchzufüh-ren. Je nach Art und Bedeutung der festzulegenden Maßnahmen und der Größe des Ermessensspielraumes hierbei, werden die Maßnahmen mit der Obersten Katastrophenschutzbehörde und den jeweiligen Ge-meinden abgestimmt. Die Gemeinden unterstützen die Untere Katast-rophenschutzbehörde bei der Verteilung der evakuierten Menschen auf
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ihre Ortsteile, die in den festgelegten Auffanggebieten der Gemeinde liegen und bei der notdürftigen Unterbringung der Menschen in geeig-neten öffentlichen oder privaten Gebäuden und Wohnräumen. Die vor-gesehenen Evakuierungsrouten in die Aufnahmegebiete berücksichti-gen, dass sich etwa in der Luft befindliche radioaktive Stoffe haupt-sächlich in Windrichtung ausbreiten.
Im Übrigen sehen die Planungen im Evakuierungsplan vor, dass die Ka-tastrophenschutzbehörden in einem solchen Fall das Evakuierungsge-biet, das sich auch auf einzelne Gemeinden oder Gemeindeteile be-schränken kann, festzulegen und die Bevölkerung über die aktuelle Si-tuation und Verhaltensweisen informieren. Im Falle einer Evakuierung sollen die Menschen möglichst mit eigenen Fahrzeugen das gefährdete Gebiet verlassen. Für die Menschen ohne Fortbewegungsmittel werden Sammelstellen eingerichtet, die von Omnibussen angefahren werden. Immobile oder kranke Menschen werden zu Hause abgeholt. Die In-formationen über nicht mobile Menschen sind über die Ortsvorsteher bzw. Ortsräte an die Gemeindeverwaltungen weiterzugeben, damit auch der Transport dieser Menschen koordiniert werden kann. Die Ka-tastrophenschutzbehörden und die Polizei überwachen den Evakuie-rungsverlauf und greifen dort helfend ein, wo es notwendig ist. Folgen Sie bei einer Evakuierung den von der Katastrophenschutzbehörde und Polizei empfohlenen Wegen und Beschilderungen.
Merzig, Mai 2011
Daniela Schlegel-Friedrich
Landrätin
1.2. Rechts- und Planungsgrundlagen
- Gesetz über den Brandschutz, die Technische Hilfe und den Katast-rophenschutz im Saarland (SBKG) vom 20. November 2006 (Amtsbl. 2006 S. 2207), geändert durch Art. 1 des Gesetzes Nr. 1615 vom 25. April 2007 (Amtsbl. 2007 S. 1226) und Art. 5 Abs. 39 des Gesetzes Nr. 1632 vom 21. November 2007 (Amtsbl. 2007 S. 2393)
- Saarländische Polizeigesetz (SPolG) vom 08.11.1989 (Gesetz Nr. 1252) i. d. F. d. B. vom 26.03.2001 (Amtsbl. S. 1074), zuletzt ge-ändert durch Gesetz vom 26.01.2010 (Amtsbl. S. 1406)
- Gesetz zum vorsorgenden Schutz der Bevölkerung gegen Strahlen-belastungen (StrVG) vom 19.12.1986 (BGBl. I S. 2610), zuletzt ge-ändert durch Artikel 64 der Verordnung vom 31.12.2006 (BGBl. I S. 2407)
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- Anhang A - Radiologische Grundlagen für Entscheidungen über Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung bei unfallbedingten Frei-setzungen von Radionukliden (GMBl 198, S. 94; GMBl. 1999, S. 538) mit Anlagen 2 und 3
- Anhang B - Rahmenempfehlungen für den Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen (GMBl. 2008, S. 1277 Nr. 62/63) mit Anhängen 1 bis 6, verabschiedet in der IMK am 06.10.1988 und im Länderausschuss für Atomenergie (Hauptaus-schuss) am 01.12.1988 (GMBl 1989, S. 71)
- Anhang 3 – Notfallstation zu den Rahmenempfehlung für den Ka-tastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen (Aus-zug aus: „Medizinische Maßnahmen bei Kraftwerksunfällen“ der Strahlenschutzkommission (Veröffentlichung der SSK, Band 4, Gus-tav Fischer Verlag, Stuttgart 1986)
1.3. Gliederung des Planungsbereiches
Im Notfallplan-MZG-Cattenom ist der Planungsbereich nach der Rah-menempfehlung der Strahlenschutzkommission des Bundesamtes für Strahlenschutz festgelegt. Die Evakuierungsplanungen beschränken sich auf die Sektoren 1, 2 und 3 der 25-Km Außenzone, ausgehend vom Atomkraftwerk im französischen Cattenom als Zentrum. In diesen Sektoren liegt die Gemeinde Perl mit den Ortsteilen Besch, Borg, Büschdorf, Eft-Hellendorf, Keßlingen, Münzingen, Nennig, Oberperl, Oberleuken, Perl, Sehndorf, Sinz, Tettingen-Butzdorf, Wochern und die Gemeinde Mettlach mit den Ortsteilen Orscholz, Tünsdorf, Wehingen, Bethingen, Faha, Nohn sowie die Kreisstadt Merzig mit den Stadtteilen Büdingen, Weiler, Wellingen, Silwingen. Ebenfalls liegen die Ortsteile Biringen und Oberesch der Gemeinde Rehlingen-Siersburg des Land-kreises Saarlouis in diesen Sektoren. Somit ist der Planungsbereich für Evakuierungsmaßnahmen die Sektoren 1, 2 und 3 der Außenzone. Das gesamte Saarland liegt innerhalb der 100-Km Fernzone.
1.4. Kreis- und Bevölkerungsbeschreibung
Der Landkreis Merzig-Wadern als Gebietskörperschaft liegt im Westen des Saarlandes und hat eine Fläche von 556,12 km² und ca. 105.000 Einwohner. Die durchschnittliche Einwohnerzahl je km² beträgt ca. 190 Einwohner. Dem Landkreis Merzig-Wadern gehören die Gemeinden Beckingen (51,7 km²), Losheim am See (96,8 km²), Merzig (108,8 km²), Mettlach (78,1 km²), Perl (75,1 km²), Wadern (111,0 km²) und Weiskirchen (33,6 km²) an. Der Landkreis Merzig-Wadern hat eine gemeinsame Grenze mit den Landkreisen Saarlouis und St. Wendel sowie mit dem rheinland-pfälzischen Landkreis Trier-Saarburg. Im Westen hat er eine gemeinsame Grenze mit Frankreich und Luxem-burg. Große Teile des Landkreises Merzig-Wadern sind land- und forst-wirtschaftlich geprägt.
Notfallplan-MZGEvakuierung
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Der demografische Wandel ist im Saarland wirkt sich auch auf den Landkreis Merzig-Wadern aus. Die Bevölkerungszahlen gehen tenden-ziell zurück. Gleichzeitig verändert sich die Altersstruktur der Bevölke-rung grundlegend. Immer mehr ältere Menschen stehen immer weni-ger jungen Menschen gegenüber. In den Gemeinden Beckingen (15.371 EW), Losheim am See (16.287 EW), Merzig (30.343 EW), Mettlach (12.360 EW), Perl (7.953 EW), Wadern (16.515 EW) und Weiskirchen (6.569 EW) leben insgesamt 105.081 Einwohner.
Innerhalb der 25 km Außenzone um das AKW Cattenom liegen die Ortsteile Besch, Borg, Büschdorf, Eft-Hellendorf, Keßlingen, Münzingen, Nennig, Oberperl, Oberleuken, Perl, Sehndorf, Sinz, Tettingen-Butzdorf und Wochern der Gemeinde Perl und die Ortsteile Bethingen, Faha, Nohn, Orscholz, Tünsdorf und Wehingen der Gemeinde Mettlach sowie die Stadtteile Büdingen, Silwingen, Weiler und Wellingen. Im Landkreis Saarlouis liegen die Ortsteile Biringen und Oberesch der Gemeinde Rehlingen-Siersburg innerhalb der 25 km Außenzone.
Das Saarland ist von Sektoren 1, 2 und 3 der Außenzone betroffen.
Hinweis:
Bei dem im „Internen Teil“ (nicht öffentlicher Teil) unter Punkt 4. ent-haltenen Tabellen der „Anwesenheitsbevölkerung – Nacht / Werktag“ verwendeten Begriffe handelt es sich um die Wohnbevölkerung. Die Angaben „Nacht“ beziehen sich auch auf arbeitsfreie Tage, wie Sonn- und Feiertage. Die „Anwesenheitsbevölkerung – Werktag“ wurde er-rechnet aus der Zahl der Erwerbstätigen und der Arbeitsplätze unter Berücksichtigung der Volkszählung 1987. Diese Daten werden nach der Volkszählung 2011 aktualisiert.
2. Zuständigkeiten
2.1. Zuständigkeiten und Aufgaben des Landes
Unabhängig von der Möglichkeit des § 21 Abs. 2 SBKG, wonach der Mi-nister für Inneres und Europaangelegenheiten als Oberste Katastro-phenschutzbehörde die einheitliche Leitung aller Abwehrmaßnahmen an sich ziehen kann, hat das das Land im Besonderen die Aufgabe der Ab-wehr von Gefahren im Zusammenhang mit einem kerntechnischen Störfall im Atomkraftwerk Cattenom, alle Informationen und Meldungen auszuwerten und alle betroffenen Behörden, Stellen und Organisatio-nen zu alarmieren, die notwendig sind um alle Abwehrmaßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu treffen.
Wenn aufgrund von radiologischen Messdaten festzustellen ist, dass in einem Gebiet die Umweltradioaktivität stetig steigt und mit an sich grenzender Wahrscheinlichkeit in einem zu ermittelnden Zeitraum mit einer gesundheitlicher Gefährdung der Bevölkerung und Tiere sowie schädigender radiologische Auswirkung auf die Umwelt zurechnen ist,
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obliegt nur dem Minister für Inneres und Europaangelegenheiten als Oberste Katastrophenschutzbehörde die Evakuierung eines gefährdeten Gebietes anzuordnen.
2.1.1. Meldungen
Unter Meldungen fallen alle Informationen über die aktuelle Gefahren-lage und Situation, die in mündlicher, fernmündlicher oder elektroni-scher Art und Weise an eine Stelle übermittelt werden. Hierzu zählen auch Auswertungen von Messdaten, die durch automatischen Mess-stationen oder mobile Messfahrzeuge erfasst werden. Alle betroffenen Katastrophenschutzbehörden müssen zu vorgegebenen Zeiten Lage-meldungen an den KatS-Stab-Land zur Erstellung eines aktuellen La-gebildes auf festgelegten Kommunikationswegen übermitteln.
Die Messzentrale des Landes (Landesamt für Umwelt und Arbeits-schutz - LUA) wertet die Messdaten (Informationen) der automati-schen standortfesten Messstationen (Perl, Biringen, Berus) des rhein-land-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Energie und Verkehr sowie der automatischen ortsfesten Messstationen (Berus, Borg, Bous, Düp-penweiler, Eidenborn, Ensheim, Freisen, Gersheim, Gersweiler, Dorf im Warndt, Hemmersdorf, Homburg, Kerlingen, Mettlach, Orscholz, Ottweiler, Scheiden, Silwingen, Sötern, Tholey, Webenheim) des Bundesamtes für Strahlenschutz ständig aus. Ferner werden von der Messzentrale auch die gemeldeten Messwerte der mobilen Messfahr-zeuge des ABC-Zuges der Feuerwehren ausgewertet.
Aufgrund dieser Messdaten spricht die Messzentrale des Landes dem KatS-Stab-Land die Empfehlung zur Entscheidungsfindung einer Eva-kuierung mit Angaben eines Zeitfensters eines (höchstwahrscheinlich) gefährdeten Gebietes aus. Nach Annahme der Empfehlung wird die Evakuierung eines gefährdeten Gebietes ausgesprochen und erste Maßnahmen werden festgelegt.
2.1.2. Erste Maßnahmen
Zu den ersten Maßnahmen zählen u. a.:
- Anordnung der Evakuierung feststellen, Verwaltungsakt fertigen und bekanntgeben.
- Alarmierung der Landkreise Merzig-Wadern und Saarlouis, ggf. der übrigen betroffenen Landkreise einschließlich der Landes-hauptstadt Saarbrücken für den Regionalverband Saarbrücken sowie benachbarte rheinland-pfälzische Landkreise.
- Alarmierung der unmittelbar betroffenen Landesressorts der Mi-nisterien.
- Informieren weiterer Behörden und Stellen
- Anweisung der Durchführung der Evakuierung an die Unteren Ka-tastrophenschutzbehörden der Landkreise Merzig-Wadern und Saarlouis erteilen
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- Anweisung der Inbetriebnahme der Notfallstationen an die Katast-rophenschutzbehörden
- Anweisung an die Städte und Gemeinden in den Auffanggebieten, Vorbereitungen zur Aufnahme von Evakuierten zu treffen.
- Aufruf an die Bevölkerung zum Verlassen des gefährdeten Gebie-tes aussprechen (Rundfunk, Lautsprecherfahrzeuge)
- Anforderung überregionaler Kräfte (z.B. Analytische Task Force - ATF; Medizinische Task Force - MTF) und Ausstattung des Bundes und anderer Bundesländer.
2.1.3. Benachrichtigung der Leitstellen im Saarland
Der KatS-Stab-Land informiert die Leitstellen im Saarland über die angeordnete Evakuierung mit Angaben des Evakuierungsgebietes.
Nachfolgende Leitstellen sind zu informieren:
- Führungs- und Lagezentrum (FLZ) der Vollzugpolizei des Saarlan-des
- Haupteinsatzzentrale (HEZ) der Berufsfeuerwehr der Landes-hauptstadt Saarbrücken
- Rettungsleitstelle des Saarlandes (RLS) des Zweckverbandes für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF)
- Integrierte Leitstelle der Berufsfeuerwehr der Stadt Trier
Hinweis: Nach Inbetriebnahme der Integrierten Leitstelle des Saar-landes (ILS) fallen die HEZ und RLS weg. Die ILS wird durch den ZRF in Kooperation mit der Landeshauptstadt Saarbrücken betrieben.
2.1.4. Unterrichtung der Bevölkerung, Presse und Medien
Die Warnung der Bevölkerung bei besonderen Gefahrenlagen erfolgt wegen der Dringlichkeit am effektivsten über Rundfunk, Fernsehen, Videotext und Internet mittels Mitteilungen und Durchsagen durch den Saarländischen Rundfunk. Auch regionale Fernsehnsendungen und Videotext (SAARTEXT) des Saarländischen Rundfunks sind zur Informationsverbreitung zu nutzen. Durch Pressekonferenzen des Mi-nisters für Inneres und Europaangelegenheiten werden die Presse und Medien über aktuelle Sachstände der Gefahrenabwehrmaßnah-men informiert.
Näheres über die Vorgehens- und Verfahrensweisen zur Durchfüh-rung von Rundfunkdurchsagen zur Unterrichtung der Bevölkerung sind dem Notfallplan-MZG-Cattenom - Interner Teil unter Punkt 4. - Unterrichtung der Bevölkerung und Medien - zu entnehmen. Hierin sind das Verfahren und die Veranlassungsbefugten erläutert und auf-geführt. Ferner sind vorgefertigte Mustertexte auch zur Bekanntgabe einer angeordneten Evakuierung hinterlegt.
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2.2. Zuständigkeiten und Aufgaben des Landkreises Merzig-Wadern
Unabhängig von der Möglichkeit des § 21 Abs. 2 SBKG, wonach der Mi-nister für Inneres und Europaangelegenheiten als Oberste Katastro-phenschutzbehörde die einheitliche Leitung der Abwehrmaßnahmen an sich ziehen kann, obliegt der Landrätin des Landkreises Merzig-Wadern als Untere Katastrophenschutzbehörde die eigenverantwortlich Aufgabe die angeordnete Evakuierung im Auftrag der Obersten Katastrophen-schutzbehörde in Zusammenarbeit und mit Unterstützung aller in Frage kommenden Behörden und sonstiger Stellen durchzuführen und gege-benenfalls durchzusetzen.
Hinweis: Die Evakuierung wird in der Regel zwangsfrei durchgeführt.
2.2.1. Meldungen
Alle eingehenden Meldungen der Obersten Katastrophenschutzbehör-de an die Landkreise Saarlouis, St. Wendel und Trier-Saarburg sowie an die kreisangehörigen Städte und Gemeinden sind, soweit nicht be-reits durch das Ministerium für Inneres und Europaangelegenheiten als oberste Katastrophenschutzbehörde bereits geschehen, weiterzu-leiten. Alle dienlichen Informationen und Meldungen, die ein Bild der aktuellen Lange darstellen, sind an die Oberste Katastrophenschutz-behörde, betroffenen Behörden, Stellen und Organisationen weiterzu-leiten. Hierüber ist ein Nachweis zu führen.
2.2.2. Erste Maßnahmen
Zu den ersten Maßnahmen zählen u. a. :
- Unterrichtung der Landkreise Saarlouis und Trier-Saarburg
- Unterrichtung aller kreisangehörigen Städte und Gemeinden
- Unterrichtung sonstiger Stellen (z.B. Finanzamt Merzig, Kranken-häuser, Rehabilitationseinrichtungen, Alten- und Pflegeheime, Se-niorenresidenzen, Schulen, Kindergärten, Behindertenwerkstät-ten)
- Information an Dritte (z.B. Unternehmen, Campingplätze, Schif-fanliegestellen)
- Weitergabe abgestimmter Information an die Bevölkerung über die aktuelle Situation mit Bekanntgabe der Evakuierung und Ver-haltensregeln, falls durch die Oberste Katastrophenschutzbehörde noch nicht geschehen
- Anordnung der Inbetriebnahme der festgelegten Notfallstation durch den ABC-Zug der Feuerwehren (FFw Merzig und Losheim) mit Unterstützungsauftrag an die Einheiten des sanitäts- und betreuungsdienstlichen Katastrophenschutzes (DRK, MHD, DLRG, NFB).
- Anforderung überregionaler Kräfte und Spezialeinheiten (ABC-Züge, THW-Einheiten, Sanitätseinheiten, Betreuungseinheiten)
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anderer Landkreise, Landesbehörden, Bundesländer oder des Bundes.
- Veranlassung polizei- und verkehrsrechtlicher Verkehrseinschrän-kungen für den Straßen-, Schienen- und Schiffsverkehr (Ver-kehrsumlenkungen, Sonderbeschilderungen, Sperrungen)
- Unterstützung des Landesamtes für Gesundheit und Verbraucher-schutz bei der Durchführung von veterinärmedizinischen Maß-nahmen.
- Durchführen von Maßnahmen nach Aufhebung der ausgelösten Alarmstufe und angeordneten Evakuierung.
Die Einzelmaßnahmen sind situations- und lagebedingt im Bedarfsfall einzuleiten. Des Weiteren wirken die Städte und Gemeinden (SBKG; SPolG) bei der Erfüllung von Aufgaben im Zusammenhang mit Evaku-ierungsmaßnahmen im Rahmen der öffentlichen Sicherheit und Ord-nung mit. Dies betrifft insbesondere die Mitwirkung bei der Vorberei-tung und der Durchführung von Evakuierungsaufgaben (z.B. Sam-melstellen einrichten, immobile Menschen ermitteln, Personen an Sammelstellen vor Abtransport erfassen, Straßensperrungen vor-nehmen, Ordnungsdienst außerhalb und innerhalb von Notfallstatio-nen und Notunterkunftshallen).
2.2.3. Unterrichtung von Behörden und sonstiger Stellen im Land-kreis
Die Feststellung einer besonderen Gefahrenlage, die Auslösung einer Alarmstufe, die Anordnung einer Evakuierung eines gefährdeten Ge-bietes, Empfehlungen des Verhaltens sowie die Aufhebung der Alarm-stufe und die Einstellung aller Maßnahmen werden über Rundfunk, Fernsehen und andere Medien der Bevölkerung bekannt gegeben.
Bereits nach ausgelöstem Katastrophenvorlarm werden nach dem Notfallplan-MZG-Cattenom (Interner Teil, Punkt 1.1.6.) weiterer Be-hörden und sonstige Stellen im Landkreis Merzig-Wadern unterrich-tet. Auch die Informationen der Anordnung einer Evakuierung werden nach diesem Verfahren an die im Notfallplan-MZG-Cattenom genann-ten Behörden und Stellen weiter geleitet. Zu den Stellen zählen auch die Leitstellen und Lagezentren im Saarland. Des Weiteren werden Landesbehörden und –stellen durch den KatS-Stab-Land laut beson-derem KatS-Plan-Land-Cattenom informiert. Weitere Erreichbarkeiten von Behörden, Stellen und Dritter sind dem Katastrophenschutzplan des Landkreises Merzig-Wadern zu entnehmen.
2.2.4. Durchführung der angeordneten Evakuierung
Bis zum Zeitpunkt der Anordnung einer Evakuierung sind der Katast-rophenschutzplan und der Notfallplan-MZG-Cattenom bereits seit dem Auslösen der Alarmstufe „Katastrophenalarm“ in Kraft gesetzt. Alle Katastrophenschutzeinheiten der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerkes, des Deutschen Roten Kreuzes, des Malteser Hilfsdiens-
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tes, der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft sowie die psychoso-ziale Notfallbetreuung im Landkreis Merzig-Wadern sind alarmiert oder bereits im Einsatz.
2.2.5. Amtshilfe anderer Behörden, Dienststellen und sonstiger Stel-len
Nach § 20 (4) SBKG sind die Gemeinden und Gemeindeverbände, die kommunalen Zweckverbände, die Dienststellen des Landes sowie die sonstigen der Aufsicht des Landes unterstehenden Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts verpflichtet, auf Er-suchen (Amtshilfe) die Katastrophenschutzbehörden bei der Vorberei-tung der Abwehr und der Abwehr von Großschadenslagen und Ka-tastrophen zu unterstützen, soweit nicht die Wahrnehmung dringen-der eigener Aufgaben vorrangig ist.
Das Unterstützungsersuchen an andere Behörden, Dienststellen und sonstige Stellen des öffentlichen Rechts erfolgt mittels formlosem An-trag auf Amtshilfeersuchen.
2.3. Zuständigkeiten und Aufgaben der Städte und Gemeinden
Die Städte und Gemeinden wirken auf Weisung der Katastrophen-schutzbehörde nach § 28 (4) SBKG oder im Rahmen der Amtshilfe nach § (20 (4) SBKG bei der Abwehr einer Großschadenslage oder Ka-tastrophe mit. Ferner sind die Feuerwehren der Gemeinden gemäß § 18 (3) SBKG Kraft Gesetz öffentliche Einheiten des Katastrophenschut-zes. Als Polizeiverwaltungsbehörde ist der Bürgermeister als Ortspoli-zeibehörde (§ 75 SPolG) auch Aufgabenträger für die öffentliche Si-cherheit und Ordnung (§ 1 SPolG) und für die Gefahrenabwehr (§ 80 SPolG) innerhalb seiner Zuständigkeiten (§ 81 SPolG) örtlich zuständig.
Zur Unterstützung der Unteren Katastrophenschutzbehörde bei der Evakuierung der Bevölkerung oder Bevölkerungsteilen, haben die kreisangehörigen Städte und Gemeinden insbesondere die Aufgaben der Leitung der Durchführung der Evakuierung in den betroffenen Ort-schaften, Einweisung der Kräfte der Hilfsorganisationen, Einsatz von Lautsprecherfahrzeugen zur Warnung der Bevölkerung, Einrichten und Ordnung der Sammel- und Haltestellen, Verteilung von Informations- oder Merkblätter, Erfassung der Personen an der Sammel- bzw. Halte-stelle, Abholung und Transport älterer, kranker und immobiler Perso-nen zur Sammelstelle oder in sonstige Einrichtungen (z.B. Kranken-haus, Alten- oder Pflegeheime), Auflistung landwirtschaftlicher Betrieb mit Erfassung des Tierbestandes (Nutztiere), Kontrolle der Anwesen auf zurückgelassenen Personen mit Kennzeichnung leerer Wohnge-bäuden, behelfsmäßige Unterbringung von Haustieren.
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2.4. Zuständigkeiten und Aufgaben der Polizei
Nach dem saarländischen Polizeigesetz (SPolG) hat die Polizei die Auf-gabe, Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung abzuwehren (Gefahrenabwehr). Die Maßnahmen der Polizei bei Evakuierungen sind in Abstimmung mit der Unteren Katastrophenschutzbehörde geplant und im Internen Teil unter Punkt 3 – Evakuierungsrouten und Ver-kehrsmaßnahmen aufgenommen. Die Polizei für die vorgesehenen Maßnahmen entsprechend der Evakuierungsanordnung unter Vorbehalt abweichender Weisungen der Katastrophenschutzbehörde in eigener Zuständigkeiten durch.
Die Polizei hat unter Berücksichtigung ihrer personellen und materiellen Möglichkeiten insbesondere die Aufgabe folgende Maßnahmen durchzu-führen bzw. zu unterstützen: Mitwirkung bei der Warnung der Bevölke-rung durch Einsatz von Lautsprecherfahrzeugen, Beschilderung der Evakuierungsrouten, Freihaltung der Evakuierungsrouten, Absperrung des Evakuierungsgebietes gegen den einfließenden Verkehr einschließ-lich Verkehrsumleitungen, Lenkung des Evakuierungsverkehrs, Schutz des evakuierten Gebietes, ggfls. mit Unterstützung der Bundeswehr, Kontrolle des Evakuierungsstandes, Unterstützung bei der Einrichtung von Kontaminationskontrollstellen sowie die Überwachung der Einstel-lung des öffentlichen Personennahverkehrs im Evakuierungsgebietes
3. Organisation
Die Organisation des Katastrophenschutzes im Landkreis Merzig-Wadern liegt generell in der politischen Verantwortung und Gesamtleitung der Landrätin des Landkreises Merzig-Wadern als Untere Katastrophenschutz-behörde. Sie ist Entscheidungsträgerin und Verantwortliche für die Umset-zung alle angeordneten und getroffenen Evakuierungsmaßnahmen inner-halb der Kreisgrenzen aufgrund eines kerntechnischen Unfalls im französi-schen Atomkraftwerk Cattenom mit radiologischen Auswirkungen.
Die Aufgabenbewältigung einer durch den Minister für Inneres und Euro-paangelegenheiten als Oberste Katastrophenschutzbehörde angeordneten Evakuierung im Kreisgebiet erfolgt durch den Verwaltungsstab – VwStab (siehe 3.1.1.) und/oder den Führungsstab – FüStab (siehe 3.1.2.) der Un-teren Katastrophenschutzbehörde des Landkreises Merzig-Wadern.
Die organisatorische Unterstützung der Stäbe erfolgt durch die Koordinie-rungsgruppe (KGS) als Geschäftsstelle der Stäbe (siehe 3.1.3.) der Katast-rophenschutzbehörde.
Die Katastrophenschutzstäbe sind im Lagezentrum des Kreisverwaltungs-gebäudes untergebracht (siehe 3.1.)
Die Bewältigung einer Evakuierung in den Gemeindengebieten erfolgt mit Unterstützung der jeweiligen Stadt oder Gemeinde (siehe 3.5.). Der Ober-/ Bürgermeister der Stadt oder Gemeinde hat im Rahmen seiner politi-
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schen Verantwortung die öffentliche Sicherheit und Ordnung innerhalb sei-ner Zuständigkeiten zu gewährleisten und die Katastrophenschutzbehörde bei der Bewältigung einer Evakuierung mit allen Mitteln und Leistungsfä-higkeit der Stadt/Gemeinde zu unterstützen.
Die Kommunikationswege zu und von den an der Bewältigung von Gefah-renlagen beteiligten Behörden und sonstigen Stellen sind in Punkt 3.7 be-schrieben.
3.1. Krisenmanagement des Landkreises Merzig-Wadern
3.1.1. Verwaltungsstab
Aufgabe des Verwaltungsstabes (Vw-Stab) des Landkreises Merzig-Wadern ist es im Besonderen nach ausgelöstem Katastrophenalarm eine Entscheidung über eine Evakuierung herbeizuführen. Insbeson-dere obliegt ihm in Abstimmung mit der Koordinierungsstelle des Landes die Feststellung, welche administrative und operative Evaku-ierungsmaßnahmen festzulegen und durchzuführen sind. Die operati-ven und taktischen Entscheidungen werden vom Führungsstab des Landkreises Merzig-Wadern getroffen.
Der Verwaltungsstab setzt sich zusammen aus:
- dem Leiter des Verwaltungsstabes
- den ständigen Mitgliedern
- den ereignisspezifischen Mitgliedern nach Bedarf
Die Mitglieder des Verwaltungsstabes und deren Alarmierung sind dem Katastrophenschutzplan des Landkreises Merzig-Wadern zu ent-nehmen. Nach Zusammentreten des Verwaltungsstabes des Land-kreises ist der Strahlenschutzbeauftragte „Fachberater für Strahlen-schutz“ grundsätzlich persönlich im Verwaltungsstab anwesend.
Die Leitung des Verwaltungsstabes obliegt dem Dezernenten für öf-fentliche Sicherheit und Ordnung im Falle im Falle einer ausgelösten Alarmstufe (Voralarm / Alarm) durch die oberste Katastrophen-schutzbehörde (Ministerium für Inneres und Europaangelegenheiten).
Die Sachverständigen für den Strahlenschutz stellen eigenverant-wortlich den Gefährdungsgrad für die Umgebung um das KKW Catte-nom, aus den vorliegenden Informationen, fest und empfehlen Maß-nahmen zum Schutz der Bevölkerung in Abstimmung mit der Mess-zentrale des Saarlandes. Sie werten und beurteilen vorgeschlagene Maßnahmen anderer Stellen in enger Zusammenarbeit mit dem Stabsleiter.
Die Mitglieder des Verwaltungsstabes werden von der Haupteinsatz-zentrale (HEZ) der Berufsfeuerwehr Saarbrücken bzw. von der Integ-rierten Leitstelle Saarland nach deren Inbetriebnahme über den Be-reitschaftsdienst (Brand-/ Katastrophenschutz) des Landkreises alar-
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miert, sofern der SAE-Stab die Alarmierung nicht selbst vorgenom-men hat.
Der Verwaltungsstab tritt beim Landkreis Merzig-Wadern im Lage-zentrum (1. Obergeschoss, Raum 127), sofern der Führungsstab die Räumlichkeiten des Lagezentrum nicht nutzt, oder im kleinen Sit-zungssaal (3. Obergeschoss, Raum 327), Bahnhofstraße 44 in Merzig zusammen. Die Koordinierungsgruppe als Geschäftsstelle der Stäbe bereitet das Zusammentreten des Verwaltungsstabes vor.
3.1.2. Der Führungsstab
Der einbestellte Führungsstab erledigt die ihm zugewiesenen Aufga-ben zur Evakuierung der Bevölkerung im Auftrag der Katastrophen-schutzbehörde des Landkreises Merzig-Wadern. Die Zuständigkeit des Führungsstabs erstreckt sich auf die Umsetzung und Durchsetzung angeordneter Evakuierungsmaßnahmen, für die der Landkreis Merzig-Wadern zuständig ist. Entscheidungen im Rahmen des Evakuierungs-ablaufes sind von den Mitgliedern des Führungsstabes herbeizufüh-ren. Zum Ausgleich unterschiedlicher Standpunkte oder wenn die Entscheidung grundsätzliche Bedeutung oder besondere Schwierigkeit hat, ist die Behördenleitung bzw. die Leitung des Verwaltungsstabs einzubeziehen. Die administrativen und organisatorischen Entschei-dungen werden vom Verwaltungsstab des Landkreises Merzig-Wadern getroffen.
Die gesamtpolitische Verantwortung obliegt der Landrätin des Land-kreises Merzig-Wadern, dies beinhaltet auch die Informationsweiter-gabe nach Außen, insbesondere an Presse und Medien.
Der Führungsstab erledigt alle mit der Evakuierung, die zu einer Bil-dung geführt haben, im Zusammenhang stehenden operativ-taktischen Aufgaben, insbesondere:
• Erarbeiten einer allgemeinen Lagedarstellung mit Erstellung einer Gefährdungsanalyse
• Vorhalten von Kartenmaterial zur geographischen Darstellung der zu evakuierenden Gebiete, der Evakuierungsrouten und Auffangge-biete
• Vorbereitung von Entscheidungen für die Landrätin
• Anordnungen zum Vollzug von Entscheidungen in Abstimmung mit dem Verwaltungsstab
• Kontrolle des Vollzuges von Entscheidungen und Maßnahmen zur Evakuierung
• Beratung beteiligter Behörden im operativen Bereich
• Beratung der Behördenleitung bzw. des Verwaltungsstabs
Der Führungsstab befindet sich im Lagezentrum, 1. Obergeschoss, Raum 127 des Landratsamtes, Bahnhofstraße 44 in Merzig. Die Koor-dinierungsgruppe (KGS) als Geschäftsstelle der Stäbe leistet organi-satorische Unterstützung.
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3.1.3. Die Koordinierungsgruppe der Stäbe (KGS)
Zur Unterstützung der Stäbe wird beim Landkreis Merzig-Wadern ei-ne Koordinierungsgruppe als Geschäftsstelle der Stäbe eingerichtet. Im Bedarfsfall kann die Geschäftsstelle um Mitarbeiter anderer Abtei-lungen ergänzt werden. Näheres ist dem Katastrophenschutzplan des Landkreises Merzig-Wadern und der Geschäftsordnung der Koordinie-rungsgruppe - Stäbe (Geschäftsstelle) zu entnehmen.
Die Geschäftsstelle erarbeitet oder sammelt außerhalb des akuten Gefahrenfalles allgemeine Grundinformationen, die die Entschei-dungsfindung der Stäbe erleichtern und bereitet die Arbeit der Stäbe wie folgt vor:
- Sammeln und Auswerten von Sachinformationen
- Erstellen einer Übersicht über Hilfsquellen von überregionaler Be-deutung
- Verzeichnis lokaler und regionaler Ansprechstellen
- Erarbeitung von Meldeformen und –wegen:
o für die Alarmierungsverfahren
o zur Ermittlung des akuten Schadens
o für die Überwachung der Auswirkung getroffener Maßnahmen
o zur sachgerechten Information der Öffentlichkeit
3.2. Krisenmanagement der Städte und Gemeinden
Die Städte und Gemeinden haben im Rahmen der allgemeinen Gefah-renabwehr einen Krisenstab zur Bewältigung von Schadensfällen un-terhalb der Großschadenslage oder Katastrophe im Gemeindegebiet aufgestellt. Der Krisenstab hat die administrativ-operative Aufgabe der Vorbereitung auf mögliche Gefahrenlagen sowie der Abwehr von Gefahrenlagen. Er wirkt auch unterstützend bei der Vorbereitung auf und bei der Abwehr von Großschadenslagen oder Katastrophen im Katastrophenschutz des Landkreises Merzig-Wadern mit.
3.2.1. Krisenstab der Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung
Der Ober-/ Bürgermeister der Stadt bzw. Gemeinde entscheidet nach Abstimmung mit dem Wehrführer oder dem Einsatzleiter der Feuer-wehr und den Leitern des Ordnungsamtes und Hauptamtes sowie un-ter Berücksichtigung bisheriger Schadenslagen zu welchem Zeitpunkt und in welcher Besetzung der Krisenstab der Stadt- bzw. Gemeinde zusammentritt. Der Krisenstab tritt im Verwaltungsgebäude der Stadt bzw. Gemeinde zusammen.
Der Krisenstab entscheidet je nach Lange (Lagefeststellung, Lagebe-urteilung) über:
- Entsendung eines Mitarbeiters in den Verwaltungsstab bzw. Füh-rungsstab der Unteren Katastrophenschutzbehörde
- Informationsaustausch und Zusammenarbeit mit der Unteren Ka-tastrophenschutzbehörde, Stadt Merzig, Stadt Wadern, Gemeinde
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Perl, Gemeinde Mettlach, Gemeinde Beckingen, Gemeinde Los-heim und der Gemeinde Weiskirchen
- Durchführung und Vollzug angeordneter Maßnahmen der Unteren Katastrophenschutzbehörde
- Abwehrmaßnahmen, insbesondere Absperrmaßnahmen und Ver-kehrslenkungsmaßnahmen zur Freihaltung von Evakuierungsrou-ten
- Errichtung einer Registrierungsstelle zur Erfassung von Evakuier-ten
- Erstellen eines Unterkunftsverzeichnis zur Verteilung von Evaku-ierten in Notunterkünfte
- Unterbringung der Evakuierten in Notunterkünften
- Unterstützung bei der Organisation des Transports von Evakuier-ten
- Unterstützung bei der Errichtung und Inbetriebnahme der Notfall-stationen
- Beschaffung von Transportmitteln für Material und Gerätschaften
- Beschaffung zusätzlich benötigtem Material und Gerätschaften
- Einsatz zusätzlich erforderlicher Kräfte der kommunalen Feuer-wehren, Bauhöfe, Eigenbetriebe und/oder eigenen Verwaltung
- Unterstützung bei der Warnung und Unterrichtung der Bevölke-rung mittels Lautsprecherfahrzeugen
3.4. Kommunikationswege
Alarmierung und Erreichbarkeiten der entsprechenden Behörden und sonstiger Stellen sind dem Katastrophenschutzplan des Landkreises Merzig-Wadern zu entnehmen.
4. Die Evakuierung
Evakuierung ist die organisierte Verlegung von Menschen, Tieren und in gewissem Umfang auch Sachgüter aus einem gefährdeten Gebiet in ein si-cheres Gebiet. Dies schließt die Festlegung der Gebiete, die Informationen der betroffenen Bevölkerung, ihren Transport, die psychosoziale und me-dizinische Betreuung sowie die Unterbringung und Versorgung ein. Im Fal-le einer Evakuierung der saarländischen Bevölkerung aus der Außenzone um das französische Kernkraftwerk Cattenom, hält der Landkreis Merzig-Wadern diesen Evakuierungsplan (Notfallplan-MZG-Evakuierung) vor.
4.1. Evakuierungsanordnung
Bei einer zu erwartender oder eingetretener radioaktiven Freisetzung ei-ner Emission durch das Atomkraftwerk Cattenom in die Umgebung kommt zum Schutze der betroffenen Bevölkerung vor einer unmittelba-ren gesundheitlichen Gefährdung nur die Anordnung der Evakuierung nur in Betracht. Dies ist gegeben, wenn
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c) auf Grund einer unkontrollierten Freisetzung durch das Atom-kraftwerk Cattenom nach routinemäßiger Auswertung der Mess-daten der automatischen Messstationen eine Strahlenbelastung festgestellt wird, die eine unmittelbare Gefahr für die Gesund-heit der saarländischen Bevölkerung darstellt.
d) nach einer unkontrollierten Freisetzung durch das Atomkraft-werk Cattenom eine hieraus abzuleitende Strahlenbelastung der saarländischen Umwelt festgestellt wird, die zu einer mit an Si-cherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einer unmittelbaren Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung führen kann oder führen wird.
Die Entscheidung der Anordnung der Evakuierung der gefährdeten Ge-biete trifft der Minister für Inneres und Europaangelegenheiten als Oberste Katastrophenschutzbehörde des Saarlandes. Die Umsetzung der Anordnung erfolgt durch die Koordinierungsgruppe, die sich aus den Ab-teilungen bzw. Referate der jeweils betroffenen Ministerien zusammen-setzt und wird auch als KatS-Stab-Land bezeichnet.
4.2. Evakuierungsaufruf
Die Anordnung zur Evakuierung der Bevölkerung aus gefährdeten Gebie-ten wird durch Bekanntgabe mittels Aufruf an die Bevölkerung öffentlich ausgesprochen:
a) über Rundfunk und Fernsehen durch den Minister für Inneres und Europangelegenheiten als Oberste Katastrophenschutzbehörde. Soweit diese Aufgabe nicht ausdrücklich an die Landrätin/den Landrat als Untere Katastrophenschutzbehörde übertragen ist.
b) und mittels Lautsprechereinsatz. Der Lautsprechereinsatz wird von der Unteren Katastrophenschutzbehörde veranlasst und koor-diniert. Der Polizeibezirk Merzig-Wadern sowie die Freiwillige Feu-erwehren stellen Einsatzfahrzeuge für Lautsprecherdurchsagen zur Verfügung. Beim Lautsprechereinsatz ist ein verkürzter Text (max. 1 Minute Durchsagedauer) zu übermitteln, der mündlich oder auf CD mit Endlosschleife durchgegeben werden kann.
Hinweis:
Einzelheiten zur Unterrichtung der Bevölkerung über Rundfunkdurchsa-gen und Mustertexte sind dem Notfallplan-MZG-Cattenom - Internen TEIL, Punkt 4. Unterrichtung der Bevölkerung und Medien - zu entneh-men.
4.3. Evakuierungsauftrag
Der Evakuierungsauftrag wird vom KatS-Stab-Land an die Landrätin als Untere Katastrophenschutzbehörde des Landkreises Merzig-Wadern for-mell als Verwaltungsakt weitergegeben.
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Die Landrätin beauftragt den Verwaltungsstab und den Führungsstab mit der Durchführung der Evakuierung.
Die Stäbe haben die Evakuierung der Bevölkerung entsprechend der ak-tuellen Lage festzulegende und durchzuführen. Die Bevölkerung wird in zu bekanntgebenden Auffanggebiete unterzubringen.
In dem Evakuierungsauftrag ist folgender Hinweis aufzunehmen:
„Die Durchführung der angeordneten Evakuierung erfolgt nach Möglichkeit ohne Zwangsmittel.“
4.4. Evakuierungsgebiete
Die Städte und Gemeinden, in deren Zuständigkeitsgebiet Auffanggebie-te liegen, sind anzuweisen, Maßnahmen zur Aufnahme der Evakuierten vorzubereiten. Dabei sind diese über Anzahl und Herkunft der Evakuier-ten zu unterrichten. Ihnen ist gleichzeitig mitzuteilen, ob die Evakuierten (nicht/möglicherweise) kontaminiert sind. Die Maßnahme wird durch das Zivilschutzamt durchgeführt. Die Oberbürgermeisterin/der Oberbürger-meister der Landeshauptstadt Saarbrücken und die Landrätin/der Land-rat in Saarlouis sind ggf. zu beteiligen.
4.5. Evakuierungsablauf
Bei einer angeordneten Evakuierung muss die Evakuierung und deren Maßnahmen geordnet ablaufen, um die Menschen möglichst rasch aus dem Gebiet, das als gefährdetes Gebiet von der Obersten Katastrophen-schutzbehörde auf der Grundlage von radiologischen Messung und Prog-nosen zum gesundheitlichen Schutz der Bevölkerung erklärt wurde, zu evakuieren. Die angeordnete Evakuierung wird der Bevölkerung über die Hörfunkprogramme des Saarländischen Rundfunks und in den betroffe-nen Gemeinden durch Lautsprecherfahrzeugen bekannt gegeben. Alle betreffenden Behörden und Stellen, die die Umsetzung von Evakuie-rungsmaßnahmen vollziehen oder unterstützen, werden unterrichtet. Alle im Notfallplan-MZG-Evakuierung vorgesehenen Maßnahmen werden nach Prioritäten durch die Katastrophenschutzbehörden und Gemeinden abgearbeitet und umgesetzt. Die Ortspolizeibehörden der Gemeinden führen mit Unterstützung der Ortsräte, Feuerwehren und Hilfsorganisati-onen die Evakuierung innerhalb ihres Gemeindegebietes durch. Alle Ein-richtungen des Gesundheits- und Bildungswesens, der Jugend- und Kin-derbetreuung sowie der Daseinsvorsorge werden geschlossen bzw. eva-kuiert. Die Polizei, die Autobahn- und Straßenmeistereien in Dillingen und Merzig sowie die Straßenverkehrsbehörde des Landkreises richten die Evakuierungsrouten ein und nehmen notwendige Sperrungen vor. Die Gemeinden in den Auffanggebieten bereiten die geplanten Notunter-kunftsgebäuden mit Unterstützung der Hilfsorganisationen des Katastro-phenschutzes zur Aufnahme der Evakuierten vor und richten Registrie-rungsstellen zur Erfassung und Verteilung der evakuierten Personen ein. Der ABC-Zug der Feuerwehren bauen festgelegte Notfallstationen auf
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und nehmen die Notfallstation unter Einbindung des Rettungsdienstes mit Unterstützung des sanitäts- und betreuungsdienstlichen Katastro-phenschutzes in Betrieb. Die Verpflegungseinheiten des Katastrophen-schutzes versorgen die Evakuierten in den Notunterkünften (Hallen, Bür-gerhäuser, Vereinshäuser) der Gemeinden. Die Katastrophenschutzbe-hörden organisieren die Versorgung der landwirtschaftlichen Tierbestän-de in den Evakuierungsgebieten.
4.6. Evakuierungssammelstellen
Soweit durch die Anzahl der zu evakuierenden Menschen nicht ein sofor-tiger Transport möglich ist, werden festgelegte Sammelstellen eingerich-tet. Die benannten Sammelstellen sind in der Regel von den zu Evakuie-renden schnell zu Fuß zu erreichen, um eine schnelle, koordinierten und geordneten Transport von da aus zu ermöglichen. Die Sammelstellen bieten den Transportfahrzeugen (Busse) ausreichend An- und Abfahr-möglichkeiten. Die Sammelstellen in den Gemeinden innerhalb der Au-ßenzone sind gleichzeitig auch die Jodtablettenausgabestellen. Soweit die Transportkapazitäten es zulassen, werden neben den Sammelstellen auch Haltestellen eingerichtet, an denen weitere Personen zusteigen können. In erster Linie werden als Haltestellen die bekannten Bushalte-stellen genutzt.
4.7. Evakuierungsrouten
Der Festlegung der Evakuierungsrouten liegt die Zuordnung der zu eva-kuierenden Gemeinden bzw. Ortschaften zu den Auffanggebieten zugrunde. Die Auffanggebiete befinden sich außerhalb der Außenzone. Für die Sektoren 1 und 2 sowie den Sektor 3 sind jeweils zwei Auffang-gebiete (I. und II.) festgelegt. Welcher der Auffanggebiete in Frage kommt, ist je nach Lage durch die Katastrophenschutzbehörde festzule-gen. Der Verkehr wird auf dem kürzesten Weg aus dem Evakuierungs-gebiet herausgeführt und dem jeweiligen Auffanggebiet zugeführt. Die Evakuierungsrouten aus den einzelnen Sektoren zu den Auffanggebieten sollen sich nicht gegenseitig behindern. Die Evakuierungsrouten werden nach Möglichkeit mit speziellen Beschilderungen gekennzeichnet. Der einfließende Verkehr in Evakuierungsgebiet wird ggfls. mit Sperrungen unterbunden. Die Evakuierungsrouten sind im Internen Teil unter Punkt 3 - Evakuierungsrouten und Verkehrsmaßnahmen - benannt und als An-lage graphisch dargestellt.
4.8. Auffanggebiete
Auffanggebiete werden eingerichtet, um evakuierte Bevölkerung unter-bringen zu können. Ein solches Auffanggebiet kann sich auf eine oder mehrere Gemeinden erstrecken.
Für die Aufnahme von evakuierten Personen aus den Sektoren 1 und 2 ist das Auffanggebiet, das sich auf das Gebiet der Gemeinde Beckingen,
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Gemeinde Losheim am See, Gemeinde Weiskirchen und der Stadt Wa-dern erstreckt, vorgeplant.
Die Stadt- und Gemeindeverwaltungen, in deren Zuständigkeitsgebiet Auffanggebiete liegen, sind anzuweisen, Maßnahmen zur Aufnahme der Evakuierten vorzubereiten. Die Maßnahme wird durch die Katastrophen-schutzbehörde durchgeführt. Die Oberbürgermeisterin/der Oberbürger-meister der Landeshauptstadt Saarbrücken sowie die Landrätin/der Landrat des Landkreises Saarlouis sind zu beteiligen.
4.9. Notunterkünfte
Die Städte und Gemeinden, in deren Zuständigkeitsbereich Aufnahme-gebiete liegen, sind anzuweisen, Maßnahmen zur Aufnahme der Evaku-ierten vorzubereiten. Alle evakuierten Menschen die nicht kontaminiert sind werden angewiesen, das zugewiesene Auffanggebiet und die betref-fende Stadt- bzw. Gemeindeverwaltung aufzusuchen. Die Gemeinde-verwaltung richtet eine Registrierungsstelle ein und verteilt die evakuier-ten Menschen auf ihre Ortsteile. Die Verteilung wird in einem Unter-kunftsverzeichnis erfasst. Bis zur Erstellung des Unterkunftsverzeichnis-ses findet die Unterbringung von Evakuierten schwerpunktmäßig vorü-bergehend in Sammelunterkünften (z.B. Schulen, Turnhallen, Mehr-zweckhallen, Bürger-/Vereinshäuser) statt. Nach erstelltem Unterkunfts-verzeichnis werden die Evakuierten auf die Ortsteile der Gemeinde ver-teilt. Den Ortsvorstehern ist gleichzeitig mitzuteilen, ob evakuierte Per-sonen nicht bzw. möglicherweise kontaminiert sind.
Der Ortsvorsteher / der Ortsrat nimmt die Verteilung der evakuierten Menschen innerhalb des Ortes vor. Hierzu ist ein Verteilverzeichnis zu erstellen, aus dem Namen, Herkunft und Anzahl der Evakuierten hervor-geht und in welche Unterkünfte (z.B. Bürgerhaus, Halle, Wohnhaus, Wohnung) sie verteilt wurden und wer Eigentümer der Unterkunft (Na-me, Anschrift, Erreichbarkeit) ist. Auch können evakuierte Personen und Familienangehörige in Hotels, Ferienhäuser und Ferienwohnungen unter-gebracht werden. Der Gemeindeverwaltung ist in Kopie das Verteilver-zeichnis zum Abgleich des Unterkunftsverzeichnisses täglich vorzulegen.
4.10. Notfallstation und Kontaminationsmessstellen
Im Zusammenhang mit einer angeordneten Evakuierung sind Notfallsta-tionen einzurichten. Die Notfallstation wird durch den ABC-Zug der Feu-erwehren errichtet und betrieben. Zur medizinischen und sanitätsdienst-lichen Versorgung werden der öffentliche Rettungsdienst und die sani-täts- und betreuungsdienstlichen Katastrophenschutzeinheiten einge-setzt. Der Einsatz von Strahlenschutzärzten erfolgt in Zusammenarbeit mit dem saarländischen Strahlenschutzzentrum, Universitätskliniken des Saarlandes in Homburg.
Veranlassung durch Untere Katastrophenschutzbehörde. Ausführung der Verwaltungs- und Führungsstab.
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4.11. Transportermittlung
Je nach Lage und Größe des zu evakuierenden Gebietes ist der Bedarf an Transportmittel (Busse) von der Katastrophenschutzbehörde zu ermit-teln. Diese Ermittlung wird von der Abteilung Straßenverkehrs- und Kreisordnungsbehörde durchgeführt. Die Anzahl der anwesenden Bevöl-kerung bei Tag und Nacht in den einzelnen Ortsteilen der betreffenden Gemeinde sind in Tabellen erfasst. Diese Tabellen sind Bestandteil des nicht öffentlichen Internen Teils.
Erläuterung:
Die bei einer Evakuierung verfügbaren privaten Kraftfahrzeuge werden für den unterschiedlichen Fall - Werktag und Nacht - ermittelt. Diese Er-mittlung erfolgt aus der Einwohnerzahl der Gemeinde oder des Ortsteils und der Zahl der dort beschäftigten Menschen.
Der Fall “Werktag” ist dadurch gekennzeichnet, dass jeder zweite Be-schäftigte an seinem Arbeitsplatz über einen Pkw verfügt. Beim Fall „Nacht“ wurde von folgenden Annahmen ausgegangen:
- 8 von 10 Haushalte verfügt im Bundesdurchschnitt über ein Auto
- zu einem Haushalt gehören im Bundesdurchschnitt 3 Personen (gilt für den Landkreis Merzig-Wadern)
In den internen Tabellen ist für den Fall einer Evakuierung die Zahl der in den jeweiligen Ortsteilen der Gemeinden zu evakuierenden Personen an-gegeben, die voraussichtlich das zu räumende Gebiet mittels Privatfahr-zeug verlassen. Hierbei wird zugrunde gelegt, dass die Fahrzeuge im Mit-tel mit jeweils drei Personen besetzt sind.
Die Tabellen geben ferner Auskunft darüber, wie viele zu evakuierende Menschen aus den verschiedenen Ortsteilen mit Bussen in die vorgese-henen Auffanggebiete gebracht werden müssen. Der Transportmittelbe-darf kann somit unmittelbar abgeleitet werden.
Darüber hinaus ist der ermittelten Transportkapazität (Busse) ein Si-cherheitszuschlag von 10 % zu berücksichtigen. Diese „zusätzlichen“ Busse werden im Rahmen der Reserve als Ersatz für schadensbedingte Ausfälle und ggf. höheren Einsatzbedarf bereitgehalten.
Die Beförderungskapazität der Busse als Transportmittel wurde einheit-lich mit jeweils 40 Personen pro Bus bewertet. Hierbei wurde die Nut-zung der Stehplätze sowie die Mitnahme von Handgepäck berücksichtigt.
Da nur 15% der privaten Busse und 90% der Busse des Öffentlichen-Personen-Nahverkehrs (ÖPNV) ständig verfügbar sind, wird die Zuwei-sung der Busse von Privatunternehmen sehr frühzeitig erfolgen.
Die Busse werden rechtzeitig von der Fachabteilung Straßenverkehrs- und Kreisordnungsbehörde bei den jeweiligen Busunternehmern bzw. den jeweiligen öffentlichen Verkehrsträgern angefordert, ggf. ist durch die betreffende Stadt bzw. Gemeinde Amtshilfe zu leisten.
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5. Evakuierungsmaßnahmen
5.1. Evakuierung von Schulen und Kindergärten
Die Schließung von Schulen und Kindergärten ist zum Wohle der Kinder und Jugendlichen frühzeitig anzuordnen, sofern diese noch nicht nach dem Notfallplan-MZG-Cattenom erfolgt sind. Die Schließung kann bereits nach Auslösung des Katastrophenvoralarms bei steigender Strahlungsbe-lastungstendenz vorgenommen werden.
5.2. Evakuierung von Einrichtungen des Gesundheitswesens und der Daseinsvorsorge
Die Rettungsleitstelle des Saarlandes (künftig ILS) wird über die Anord-nung der Evakuierung des Ministers für Inneres und Europaangelegen-heiten durch den Verwaltungsstab (Landkreis) zu unterrichten. Die Ret-tungsleitstelle wird von der Katastrophenschutzbehörde beauftragt alle Krankenhäuser, Rehabilitationseinrichtungen, Alten- und Pflegeheime über die angeordnete Evakuierung zu unterrichten, die innerhalb der Au-ßenzone liegen.
Innerhalb der Außenzone befindet sich keine Krankenhäuser!
Rehabilitationseinrichtungen, die innerhalb der Außenzone liegen, wer-den geräumt. Die Leitung ordnen die Räumung und die Abbrechung der Behandlung der Patienten an und fordern die Patienten auf die Einrich-tung rasch zu verlassen. Alle Versorgungsleitung und Zugänge der Ein-richtung sind nach der Räumung zu verschließen und das Gebäude / Ge-bäudeteile als evakuiert zu kennzeichnen.
Die Leitung von Alten- und Pflegeheimen informieren die Angehörigen der Bewohner und fordern diese auf ihre Angehörigen abzuholen. Der Transport von nicht gehfähigen älteren Menschen wird durch die Hilfsor-ganisationen (DRK, MHD, DLRG) organisiert und in andere Alten- und Pflegeheim außerhalb der Außenzone durchgeführt.
5.3. Transport der Bevölkerung
Bei der angeordneten Evakuierung wird durch die Katastrophenschutz-behörde sichergestellt, dass für die aus dem gefährdeten Gebiet zu eva-kuierenden Menschen hinreichend Transportmittel (Busse) zur Verfügung stehen. Bei der Planung der Transportkapazitäten wird davon ausgegan-gen, dass 7-8 von 10 Haushalte über private Kraftfahrzeuge verfügen und das Evakuierungsgebiet selbstständig verlassen. Für Personen, die nicht mit privaten Pkw´s das Evakuierungsgebiet verlassen können, werden Busse von Unternehmen und des ÖPNV für den Transport in die Auffanggebiete bereitgestellt. Für die Ermittlung des Transportbedarfs wurden Übersichten der Abwesenheitsbevölkerung bei Tag und Nacht auf Grundlage der letzten Volkszählung erstellt. Diese geben Auskunft dar-über, für wie viele Personen aus den verschiedenen Ortschaften entspre-
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chende Anzahl von Busse bereitgestellt werden. Hierbei wurde ein Si-cherheitszuschlag von 10 v. H. berücksichtigt. Diese zusätzlichen Busse dienen als Reserve für Fahrzeugausfälle und ggfls. höheren Einsatzbe-darf. Die Beförderungskapazität der Busse wurde einheitlich mit jeweils 40 Personen pro Bus bewertet. Hierbei wurde in den Planungen die Nut-zung von Stehplätze sowie die Mitnahme von Handgepäck berücksichtigt. Die Busse werden rechtzeitig durch die zuständige Fachabteilung der Kreisverwaltung bei den Unternehmen angefordert.
5.4. Verkehrsregelung, -lenkung und -einschränkungen
Für den Straßenverkehr sind Verkehrseinschränkungen durchzuführen, soweit diese noch nicht nach dem Notfallplan-MZG-Cattenom erfolgt sind.
Veranlassung von verkehrsrechtlichen Anordnungen erfolgt durch die Ab-teilung Straßenverkehrs- und Kreisordnungsbehörde, Sachgebiet Stra-ßenverkehrsbehörde und des Polizeibezirkes Merzig-Wadern.
5.4.1. Kennzeichnung der Evakuierungsrouten
Der Festlegung der Evakuierungsrouten wurde die Zuordnung der zu evakuierenden Gemeinden und Ortschaften zu den Auffanggebieten zugrunde gelegt. Die Auffanggebiete befinden sich außerhalb der Au-ßenzone. Für die Sektoren 1 und 2 sowie den Sektor 3 sind jeweils zwei Auffanggebiete (Auffanggebiet I , Auffanggebiet II (Alternativ)) festgelegt. Welches Auffanggebiet in Frage kommt, wird je nach Lage von der Obersten Katastrophenschutzbehörde festgelegt. Der Verkehr wird auf dem kürzesten Weg aus dem Evakuierungsgebiet herausge-führt. Hierbei wurde berücksichtigt, dass die Evakuierungsrouten sich nicht gegenseitig behindern. Die Evakuierungsrouten mit Bezeichnung der Straßen (Bundes-, Landes- Gemeindestraßen) und graphischer Darstellung sind im Internen Teil des Notfallplanes aufgeführt und ent-halten.
5.4.2. Freihaltung der Evakuierungsrouten
Da die Autobahn (BAB 8) eine wesentliche Evakuierungsroute darstellt, ist eine vordringliche Maßnahme diesen Verkehrsweg für die Evakuie-rung freizuhalten. Dazu sind beispielsweise folgende Maßnahmen ge-eignet:
- Weiträumig Umleitung des Schwerlastverkehrs
- Absicherung der Auf-/Abfahrten der Autobahn (BAB 8)
- Einsatz von Omnibussen zur Verringerung der Fahrzeugfrequenz
- Verkehrslenkungsmaßnahmen durch die zuständigen Behörden
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5.4.3. Sperrung von Verkehrswegen
Auftrag wird der Fachabteilung Straßenverkehrs- und Kreisordnungs-behörde, Sachgebiet Straßenverkehrsbehörde erteilt. Diese stimmt die Verkehrsbeschränkungen mit der Polizei und der Autobahn- und Straßenmeisterei des Landesbetrieb für Straßenbau in Merzig ab. Hierzu hält die Autobahn- und Straßenmeisterei in Merzig entspre-chendes Sperrmaterial bereit. Die Bauhöfe der Gemeinden unterstüt-zen die Sperrmaßnahmen.
6. Einrichten von Dekontaminationsstellen (Notfallstation)
Bei einer Freisetzung radioaktiver Stoffe auf die Umgebung einer kern-technischen Anlage werden für Personen, bei denen Verdacht auf Strah-lenbelastung und/oder Kontamination besteht, Notfallstationen eingerich-tet. Eine Notfallstation ist eine ortsfeste Einrichtung zur Kontrolle und Be-handlung einer möglichen Belastung der evakuierten Personen. Des Weite-ren erfolgt eine Registrierung.
Personen, die aus Gebieten kommen, in denen keine Strahlenbelastung stattgefunden hat, können an der Notfallstation „vorbeigeleitet“ werden. Personen mit anderen Krankheitssymptomen oder Verletzungen werden durch den Rettungsdienst/Sanitätsdienst versorgen.
Durch das Personal der Notfallstation wird auch der weitere Verbleib (z.B. in Notunterkünften) organisiert.
7. Unterrichtung der Bevölkerung und Medien
Die Warnung der Bevölkerung bei besonderen Gefahrenlagen erfolgt we-gen der Dringlichkeit am effektivsten mittels amtlicher Mitteilung oder be-hördlicher Durchsagen über Rundfunksendungen des Saarländischen Rundfunks. Näheres über die Vorgehens- und Verfahrensweisen zur Durchführung von Rundfunkdurchsagen zur Unterrichtung der Bevölkerung sind dem Notfallplan-MZG-Cattenom - Interner Teil unter Punkt 4. - Unter-richtung der Bevölkerung - zu entnehmen. Hierin sind das Verfahren und die Veranlassungsbefugten erläutert und aufgeführt. Ferner sind vorgefer-tigte Mustertexte auch zur Bekanntgabe einer angeordneten Evakuierung von Bevölkerungsteilen im Notfallplan-MZG-Cattenom hinterlegt.
Die Anordnung zur Evakuierung der Bevölkerung eines gefährdeten Gebie-tes wird durch öffentlichen Aufruf an die Bevölkerung über den Saarländi-schen Rundfunk bekannt gegeben. Die Aufgabe der öffentlichen Bekannt-gabe der Anordnung der Evakuierung kann auch von der Obersten Katast-rophenschutzbehörde auf die Untere Katastrophenschutzbehörde übertra-gen werden.
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7.1. Arten der Bekanntgabe der angeordneten Evakuierung
Die betroffene Bevölkerung ist über die Räumung oder Evakuierung des gefährdeten Gebietes sowie über deren Unterbringung in Notunter-künften in den vorgesehen Auffanggebieten zu informieren.
Dies erfolgt
- mittels Rundfunkdurchsagen durch den Saarländischen Rundfunk auf Veranlassung des Ministers für Inneres und Europaangelegen-heiten (KatS-Stab-Land). Soweit diese Aufgabe ausdrücklich an die Landrätin des Landkreises Merzig-Wadern (KatS-Stab-Landkreis) übertragen worden ist, erfolgt die Veranlassung durch die Untere Katastrophenschutzbehörde des Landkreises.
- mittels Lautsprechereinsatz durch Einsatzfahrzeuge der Polizei, Feuerwehr und THW. Der Lautsprechereinsatz wird von der Unte-ren Katastrophenschutzbehörde veranlasst. Hierbei wird ein ver-kürzter Text von ca. 30 Sekunden Dauer verwenden, der an die Fahrzeugbesatzungen übermittelt wird.
7.2. Veranlassungsbefugte zum Ersuchen der Ausstrahlung von Durchsagen über Rundfunkprogramme des Saarländischen Rundfunks und Einstellung von amtlichen Informationen im Videotext (SAARTEXT) des Saarländischen Rundfunks
Zur Durchsage von wichtigen Mitteilungen und Meldungen über Rund-funk und Fernsehen bei besonderen Gefahrenlagen, welche die unver-zügliche Warnung eines größeren Teils der Bevölkerung erfordert, sind folgende Amts- bzw. Funktionspersonen berechtigt:
- Landrätin
- Erste(r) Kreisbeigeordnete(r)
- Kreisbeigeordnete(r)
- Leiter/in Dezernat 2
- Leiter/in Dezernat 3
- Pressesprecher/in
Die Erreichbarkeiten der genannten Berechtigten sind dem Katastro-phenschutzplan des Landkreises Merzig-Wadern zu entnehmen.
Durchsageersuchen sind von den Berechtigten ausschließlich über die Führungs- und Lagezentrale (FLZ) der Vollzugspolizei des Saarlandes dem Kommissar vom Dienst (KvD) zuzuleiten.
Um Missbräuche zu verhindern, wurden die o. a. Personen über das Ministerium des Inneren und Europaangelegenheiten der Führungs- und Lagezentrale (FLZ) der Landespolizeidirektion (KvD) benannt, so dass nur von diesen Personen amtliche Mitteilungen oder behördliche Durchsagen an die Bevölkerung entgegengenommen werden. Jeder Übermittler von Durchsageersuchen hat Namen, Dienststellung, Dienststelle, Sitz der Dienststelle sowie die Telefonnummer anzugeben.
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Durch den KvD erfolgt dann die erforderliche Kontrolle durch Rückruf und danach die Weiterleitung direkt an den Saarländischen Rundfunk.
8. Aufhebung der Evakuierung
Die Oberste Katastrophenschutzbehörde hebt, wenn alle durchgeführten Schadstoffmessungen ausreichend sichere Ergebnisse gebracht haben und das Evakuierungsgebiet gefahrlos wieder betreten werden kann, die Anordnung der Evakuierung förmlich auf und gibt die Aufhebung der Eva-kuierung öffentlich über Hörfunkprogramme des Saarländischen Rund-funks bekannt. Hierüber werden alle bei der Evakuierung involvierten Be-hörden und Stellen durch die Katastrophenschutzbehörden informiert. Gleichzeitig wird eine Zeitspanne für die Rückführungsmaßnahmen vor-genommen.
9. Begriffe und Definitionen im Strahlenschutz
Im Katastrophenschutz und Strahlenschutz werden häufig Fachbegriffe und Bezeichnungen verwendet, die nicht jedem geläufig sind. Aus die-sem Grund sind in dem folgenden Verzeichnis die am häufigsten ver-wendeten Begriffe erläutert.
Verzeichnis der häufig verwendeten Begriffe im Strahlenschutz
Stichwort
Beschreibung, Verweis
ABC-Erkunder
ABC-Erkunder sind vom Bund bereitgestellte Fahrzeu-ge (ABC-ErkKW) mit messtechnischer Ausrüstung zur schnellen Erkundung kontaminierter Flächen und Ge-genstände
Absorption
Hier: Aufnahme von Strahlungsenergie durch Sub-stanzen oder Gewebe
Aerosole
Sehr fein verteilte flüssige und feste Schwebstoffe in Gasen
Aktivität, Radioaktivität
Eigenschaft bestimmter Atomkerne, sich ohne äußere Einwirkung unter Aussendung von Strahlung umzu-wandeln („Radioaktiver Zerfall“). Radioaktivität kann sich in Form elektromagnetischer Strahlung oder als Teilchenstrahlung äußern. Die Aktivität bezeichnet die Menge eines radioaktiven Stoffes.
Äquivalentdosis
Produkt aus Energiedosis und Bewertungsfaktor. Die Äquivalentdosis ist das Maß für die Wirkung einer ioni-sierenden Strahlung auf belebte Materie, z.B. den Menschen
Aufenthalt in Gebäuden
Der „Aufenthalt in Gebäuden“ ist eine Maßnahme zur Reduzierung der äußeren Strahlenexposition durch Abschirmung und zur Verringerung der Inhalation eventuell kontaminierter Atemluft.
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Ausbreitungsbedingen
Ausbreitungsbedingungen beschreiben den luftgetra-genen Transport radioaktiver Stoffe unter Berücksich-tigung der Windrichtung, der Turbolenz in der Atmo-sphäre, der Windgeschwindigkeit sowie des Nieder-schlags.
Außenzone
Die Außenzone ist eine kreisringförmige Planungszo-ne, in der neben Messungen zur Ermittlung der radio-logischen Lage die Ausgabe von Jodtabletten an alle Personen bis 45 Jahre sowie die Warnung der Bevöl-kerung vor dem Verzehr frisch geernteter Lebensmit-tel vorzubereiten ist. Sie hat bei Kernkraftwerken ei-nen inneren Radius von 10 km und eine Außenradius von etwa 25 km. Maßnahmen in der Außenzone wer-den im Allgemeinen in Abhängigkeit von der Ausbrei-tungsrichtung (orientiert an Sektoren) durchgeführt.
Dekontamination
Dekontamination ist das Beseitigen oder Vermindern einer Kontamination.
Man unterscheidet die Dekontamination von Personen, Geräten und Gegenständen/Fahrzeugen sowie von Gelände.
Deterministischer Effekt
Deterministische Effekte treten als Folge hoher Ener-giedepositionen durch ionisierende Strahlung auf, bei denen Zellen in funktionell bedeutsamer Zahl geschä-digt werden oder absterben. Diese Effekte können vo-rübergehend oder dauerhaft sein. Deterministische Effekte treten erst oberhalb eine Schwellendosis auf.
Deterministische Effekte sind u. a. Strahlenschäden der Haut (Erythem) und das akute Strahlensyndrom mit seinen möglichen Symptomenkomplexen in ver-schiedenen Formen (hämatologisch, gastrointestinal, (mukokutan, zerebrovaskulär)
Dosis, Strahlendosis
Menge der Strahlung, die bei Wechselwirkung mit Ma-terie an diese abgegeben wird.
Dosisfaktor
Verhältniswert für ein bestimmtes Radionuklid zwi-schen aufgenommener Aktivität und verursachter Strahlenbelastung des Ganzkörpers oder einzelner Organe.
Dosisleistung
Die pro Zeiteinheit, z.B. pro Stunde oder Jahr, be-trachtete Dosis
Dosisrichtwert
Im Rahmen der Katastrophenschutzplanung festgeleg-ter Orientierungswert der Dosis. Durch die Festlegung eines unteren und eines oberen Dosisrichtwertes kann ein Bereich möglicher Dosiswerte definiert werden.
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Effektive Dosis
Die effektive Dosis E ist die Summe der mit den zuge-hörigen Gewebe-/Wichtungsfaktoren wT multiplizierten Organdosen HT in relevanten Organen und Geweben T.
Die Wichtungsfaktoren berücksichtigen die unter-schiedliche Strahlenempfindlichkeit der Organe und Gewebe.
Die Einheit der effektiven Dosis ist das Sievert (Sv).
Eingreifrichtwert
Eingreifrichtwerte sind Planungswerte der erwarteten Dosis, bei deren Erreichen die Einleitung von Schutz-maßnahmen zu prüfen ist.
Die radiologischen Grundlagen enthalten Eingreif-richtwerte für die Maßnahmen „Aufenthalt in Gebäu-den“, „Einnahme von Jodtabletten“, „Evakuierung“, „Temporäre Umsiedlung“ und „Umsiedlung“.
Eingreifwert
Eingreifwerte sind die im Ereignisfall zur Anwendung gelangenden Werte der erwarteten Dosis zur Einlei-tung von Schutzmaßnahmen
Einsatzdosis
Dosis, die im Laufe des Einsatzes von den Einsatzkräf-ten nicht überschritten werden soll.
Elektromagnetische Strahlung
Strahlung aus elektrischen und magnetischen Wellen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen, z.B. Licht, Radiowellen, Röntgenstrahlen, Gamma (.) -Strahlen
Energiedosis
Die Energiedosis ist der Quotient aus der Energie, die durch ionisierende Strahlung auf das Material in einem Volumenelement übertragen wird, und der Masse in diesem Volumenelement. Die Einheit der Energiedosis ist Joule durch Kilogramm (J/kg); der besondere Ein-heitsname ist Gray (Gy)
Enzyme
Wirkstoffe in Organismen, die bestimmte Stoffwech-selvorgänge beschleunigen, ohne selbst verändert zu werden.
Expositionspfad
In die Umwelt freigesetzte radioaktive Stoffe können auf unterschiedlichen Pfaden zu einer Strahlenexposi-tion des Menschen führen.
Die wichtigsten Expositionspfade sind: äußere Be-strahlung aus der radioaktiven Wolke, äußere Be-strahlung vom kontaminiertem Boden, Inhalation ra-dioaktiver Stoffe, Ingestion radioaktiver Stoffe.
Fall-out
Ablagerung kleinster Teilchen (hier radioaktive Stoffe) aus der Atmosphäre auf den Boden (trockene Ablage-rung). Häufig ist mit Fall-out der radioaktive Nieder-schlag aus der Atmosphäre gemeint, der aus Kernwaf-fenversuchen herrührt.
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Fernzone
Die Fernzone ist eine kreisringförmige Planungszone, in der die Ausgabe von Jodtabletten an Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schwangere und die Warnung der Bevölkerung vor dem Verzehr frisch geernteter Lebensmittel vorzubereiten ist. Sie hat bei Kernkraftwerken einen inneren Radius von etwa 25 km und einen Außenradius von etwa 100 km; sie kann ggf. im Hinblick auf die Verteilungsorganisation von Jodtabletten unterteilt werden. Maßnahmen in der Fernzone werden in Abhängigkeit von der Ausbrei-tungsrichtung (orientiert an Sektoren) durchgeführt.
Folgedosis
Die Folgedosis ist die Dosis, die als Folge der Aufnah-me in den Körper erzeugt wird. Für die Berechnung der Folgedosis wird für Erwachsene ein Zeitraum von 50 Jahren und für Kinder ein Zeitraum vom jeweiligen Alter bis zum Alter von 70 Jahren angesetzt.
Freigrenze
Die Menge radioaktiver Stoffe, unterhalb der der Um-gang und die Abgabe nicht genehmigungs- und anzei-gepflichtig sind. Die Freigrenzen der einzelnen Radio-nuklide sind in der Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) festgelegt.
Frühschaden, auch aku-ter Strahlenschaden
Durch Strahlung bewirkte Schädigung von Organen, Organsystemen und Geweben, die kurze Zeit nach Bestrahlung (Stunden bis mehrere Tage) auftritt. Die-se Schäden fallen i die Gruppe der nichtstochastischen Strahleneffekte.
Ganzkörperdosis
Mittelwert der Äquivalentdosis über Kopf, Rumpf. Oberarme und Oberschenkel als Folge einer als homo-gen angesehenen Bestrahlung des ganzen Körpers
Gefährdetes Gebiet
Als gefährdetes Gebiet wird das Gebiet bezeichnet, in dem zur Abwehr akuter Gefahren nach den Ergebnis-sen der radiologischen Lageermittlung wegen der festgestellten oder zu besorgenden Überschreitung der Eingreifwerte eine oder mehrere der Maßnahmen Aufenthalt in Gebäuden, Einnahme von Jodtabletten und Evakuierung erwogen werden muss. Das gefähr-dete Gebiet wird durch Zonen und Sektoren näher be-schrieben.
Gesamtdosis
Die Gesamtdosis ist die Dosis, die sich aus der Summe der Dosisbeiträge aller Expositionspfade ergibt.
Gewebe-/Wichtungsfaktoren
Durch die Gewebe-/ Wichtungsfaktoren wT werden die einzelnen Organ-(Äquivalent)dosen HT entsprechend ihren relativen Beiträgen zu den stochastischen Strah-lenwirkungen bei der Bestimmung der effektiven Dosis E gewichtet.
Diese Faktoren wT spiegeln die unterschiedliche Emp-findlichkeit der verschiedenen Organe, Gewebe und Körperteile gegenüber stochastischen Strahlenwirkun-gen (Krebsinduktion, Auslösung von Erbschäden) wi-der.
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Halbwertzeit
Die physikalische Halbwertzeit ist die Zeit, in der von einer Menge eines radioaktiven Stoffes die Hälfte zer-fallen ist. Halbwertzeiten reichen von Bruchteilen von Sekunden bis zu vielen tausend Jahren.
Die biologische Halbwertzeit ist die Zeit, in der ein bio-logisches System, z.B. ein Mensch oder Tier, auf na-türliche Weise die Hälfte der aufgenommenen Menge eines bestimmten Stoffes, also auch von Radionukli-den, wieder ausgeschieden wird.
Die effektive Halbwertzeit ist die Zeit, in der in einem biologischen System die Menge eines Radionuklids auf die Hälfte abnimmt; und zwar im Zusammenwirken aufgrund des radioaktiven Zerfalls (physikalische Halbwertzeit) und Ausscheidung infolge biologischer Prozesse (biologische Halbwertzeit)
z.B. beträgt für Jod-131 die
physikalische Halbwertzeit 8 Tage
biologische Halbwertzeit 138 Tage
effektive Halbwertzeit 7,6 Tage
Ingestion
Allgemein: Nahrungsaufnahme
Hier: Aufnahme von radioaktiven Stoffen mit der Nah-rung
Inhalation
Allgemein: Einatmung von Gasen
Hier: Aufnahme von radioaktiven Stoffen mit der Atemluft
Inkorporation
Allgemein: Einverleibung
Hier: Aufnahme radioaktiver Stoffe in den menschli-chen Körper
Integrationszeit
Die Integrationszeit ist der Zeitraum, der bei der Be-rechnung der Strahlendosen entsprechend den jeweils zu berücksichtigenden Expositionspfaden und Ein-greifwerten zugrunde zu legen ist.
Bei externer Exposition ist die Aufenthaltsdauer im Strahlenfeld, bei interner Exposition die Aufenthalts-dauer des Strahlers im Körper/Gewebe zugrunde zu legen.
Ion, Ionisation
Elektrisch geladenes atomares oder molekulares Teil-chen, das aus einem neutralen Atom oder Molekül durch Abspaltung der Anlagerung von Elektronen oder durch Aufspaltung von Molekülen in Lösungen entste-hen kann.
Ionisierende Strahlung
Strahlung, die unmittelbar (direkt) oder mittelbar durch Stoß (indirekt) zu ionisieren vermag. Dabei wird durch den Übertrag von Energie aus der Strahlung auf ein Atom und die dadurch mögliche Freisetzung eines Elektrons aus dem Atom ein Ionenpaar, bestehend aus Elektron und dem positiven geladenen, ionisierten Atom, gebildet.
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Jodtabletten
Kaliumjodidtabletten mit einem hohen Jodgehalt (Mil-ligramm-Bereich) zur Sättigung der Schilddrüse mit Jod (Jodblockade) zur Verhinderung der Anreicherung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse.
Wichtig: Nicht zu verwechseln mit den zur Vorbeu-gung von Jodmangelerscheinungen vorgesehen Tab-letten mit tausendfach niedrigerem Jodgehalt (Mikro-gramm-Bereich). Diese sind nicht zur Blockade der Schilddrüsen geeignet.
Kernreaktorfern-überwachungssystem (KFÜ)
Das KFÜ-System ist ein Datenerfassungs- und Aus-wertungssystem der atomrechtlichen Aufsichtsbehör-de, mit dem technische und radiologische Daten aus der Umgebung des Kraftwerks erfasst, online an die Behörde übermittelt und dort zu Überwachungszwe-cken ausgewertet werden.
Kerntechnischer Unfall
Ein kerntechnischer Unfall ist ein Ereignisablauf, der schwerwiegende radiologische Auswirkungen in der Umgebung der betroffenen kerntechnischen Anlage zur Folge hat oder bei dem solche Auswirkungen dro-hen. Zu einem solchen Ereignisablauf kann es nur dann kommen, wenn bei einem auslösenden Ereignis die auslegungsgemäß in der kerntechnischen Anlage vorhandenen, mehrfach gestaffelten Sicherheitsmaß-nahmen nicht greifen. Als schwerwiegend im Sinne dieser Definition werden Auswirkungen betrachtet, bei denen in der Umgebung eine effektive Dosis von 10 mSv bzw. eine Schilddrüsendosis von 50 mSv für Kin-der und jugendliche unter 18 Jahren sowie Schwange-re erreicht oder überschritten werden können (ent-sprechend dem allgemeinen Dosiskriterium in den Alarmierungskriterien)
Kontamination, radioak-tive
Verunreinigung durch radioaktive Stoffe
a) Oberflächenkontamination: Verunreinigung einer Oberfläche mit radioaktiven Stoffen. Dabei wird zwi-schen nicht festhaftender und über die Oberfläche eingedrungener Aktivität unterschieden. Die Einheit der Messgröße der Oberflächenkontamination ist die flächenbezogene Aktivität in Becquerel pro Quadrat-zentimeter.
b) Oberflächenkontamination, nicht festhaftende:
Verunreinigung einer Oberfläche mit radioaktiven Stoffen, bei denen eine Weiterverbreitung der radio-aktiven Stoffe nicht ausgeschlossen werden kann.
Messdienste
Die Messdienste führen im Rahmen von Messpro-grammen radiologische Messungen in der Umgebung durch. Bei den Messdiensten wird zwischen Mess-trupps und Strahlenspürtrupps mit unterschiedlichen Messaufgaben und Einsatzgebieten unterschieden.
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Messnetz
Messnetze sind System zur automatisierten Erfassung, Übertragung und Speicherung radiologischer ‚(ggf. auch meteorologischer) Messdaten von Sonden an festliegenden oder mobilen Messorten. Sie sind Be-standteil von Überwachungssystemen.
Messort
Messorte sind vorab oder im Ereignisfall festgelegte Orte, an denen (radiologische) Messungen durchge-führt werden.
Messtrupp
Messtrupps werden vom Betreiber der kerntechni-schen Anlage, den unabhängigen Messstellen für die Umgebungsüberwachung und nach Vereinbarung von fachkundigen Organisationen (z. B. BfS, Strahlen-messdienst nicht betroffner Kernkraftwerke, wissen-schaftliche Institute und Fachbehörden) gestellt. Hauptziele ihrer Messungen sind die Verifizierung der rechnerisch ermittelten Dosis- und Kontaminationsab-schätzungen und die Abgrenzung des gefährdeten Ge-bietes. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Feststel-lung des Nuklidvektors als Basis der Prognose der wei-teren Strahlenexposition.
Messzentrale
Messzentralen sind Einrichtungen zur Führung von Messdiensten und zur Erfassung der Messergebnisse und Probenauswertungen. Sie arbeiten auf der Grund-lage von Messprogrammen nach Weisung des Radio-logischen Lagezentrums. Die Messergebnisse werden von der Messzentrale an das Radiologische Lagezent-rum übermittelt.
Mittelzone
Die Mittelzone ist eine kreisringförmige Planungszone, in der alle Alarmmaßnahmen 2 vorzubereiten sind. Sie hat bei Kernkraftwerken einen inneren Radius von et-wa 2 km und einen Außenradius von etwa 10 km. Maßnahmen in der Mittelzone werden im Allgemeinen in Abhängigkeit von der Ausbreitungsrichtung (orien-tiert an Sektoren) durchgeführt.
Nichtstochastischer Schaden
Schädigung von Organen und Geweben nach Bestrah-lung. Der Schweregrad des Schadens nimmt mit stei-gender Strahlendosis zu; es existiert eine Schwellen-dosis, unterhalb dieser Dosis tritt der Schaden nicht auf.
Notfallstation
Eine Notfallstation ist eine Einrichtung zur Erstversor-gung und Dekontamination von Personen, die sich bei einem Unfall in einer kerntechnischen Anlage während oder nach Durchzug der radioaktiven Wolke im betrof-fenen Gebiet aufgehalten haben.
Nuklide, Radionuklide
Ein Nuklid ist eine durch seine Protonenzahl, Neutro-nenzahl und seinen Energiezustand charakterisierte Atomart.
Ein Radionuklid ist ein instabiles Nuklid, das spontan ohne äußere Einwirkung unter Aussendung von Strah-lung zerfällt.
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Organdosis
Die Organdosis ist das Produkt aus der mittleren Ener-giedosis in einem Organ, Gewebe oder Körperteil und dem Strahlungswichtungsfaktor WR. Die Werte des Strahlungswichtungsfaktor WR richten sich nach Art und Qualität der Strahlung (Photonen, Elektronen, Neutronen, Protonen, Alpha-Teilchen).
Probenahme
Probenahme ist die nach standardisierten Verfahren erfolgende Entnahme von Proben aus Umweltberei-chen wie Luft, Boden, Bewuchs, Oberflächen- und Grundwasser. Ort, Zeit und ggf. Umstände der Ent-nahme werden in Probenbegleitpapieren mit einer Probenidentifikation und Angabe des Probenehmers dokumentiert. Die Proben werden über die Proben-sammelstellen zu mobilen oder stationären Labors gebracht und dort nach ebenfalls standardisierten Ver-fahren ausgemessen. Die Messergebnisse werden mit den Daten der Probenbegleitpapiere der Messzentrale zur Plausibilisierung und Bewertung mitgeteilt.
Probensammelstelle
Die Probensammelstelle ist eine Einrichtung zur Ent-gegennahme von Umweltproben und zum weiteren Versand der Proben an die fachlich geeigneten Labors. Zu den Aufgaben der Sammelstelle gehören die Dis-position, d. h. die Feststellung, welche Labors über die notwendigen Einrichtungen verfügen und ob die erfor-derliche Kapazität aktuell zur Verfügung steht, sowie die Organisation des Probentransportes.
Quellterm
Als Quellterm werden die Eigenschaften einer unfall-bedingten Freisetzung bezeichnet. Dazu gehören ins-besondere die voraussichtlich oder tatsächlich freige-setzte Aktivität, nuklid-spezifisch oder hilfsweise nach Leitnukliden (z. B. J 131, Xe 133, Cs 137) oder Nuk-lidgruppen (Edelgase, Jod, Schwebstoffe) sowie der zeitliche Verlauf der Freisetzung. Im weiteren Sinne gehören zu den Quelltermeigenschaften auch Freiset-zungsbedingungen wie Höhe der Freisetzung, Beein-flussung durch Gebäude, thermische Energie.
Radioaktivität
Eigenschaft bestimmter Nuklide, spontan Teilchen- oder Gammastrahlung aus dem Atomkern zu emittie-ren oder nach Einfang eines Hüllenelektrons durch den Kern Röntgen- bzw. Gammastrahlung zu emittieren. Die Radioaktivität umfasst alle spontan verlaufenden Kernprozesse, d. h. radioaktive Umwandlungen.
Radiologisches Lage-zentrum
Ein Radiologisches Lagezentrum ist eine Einrichtung zur Ermittlung und Bewertung der radiologischen Lage und Beratung der Katastrophenschutzleitung.
Im Radiologischen Lagezentrum werden Daten aus der Anlage (z. B. Anlagenzustand, Emission radioaktiver Stoffe), meteorologische Daten sowie Messdaten aus der Umgebung zusammengefasst, aufbereitet und in-terpretiert.
Das Radiologische Lagezentrum führt die Messtrupps direkt oder über Messzentralen.
Notfallplan-MZGEvakuierung
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Die radiologische Lage ist ein Bericht über den gegen-wärtigen Zustand und die zu erwartende Entwicklung der Unfallsituation und ihrer voraussichtlichen Auswir-kungen.
Das Radiologische Lagezentrum wird am Sitz der Ka-tastrophenschutzleitung oder einer anderen geeigne-ten Stelle (z. B. Aufsichtsbehörde) eingerichtet und verfügt über die notwendigen Einrichtungen zur Aus-wertung und Kommunikation.
Es kann zusammen mit dem in einigen Ländern zu-sätzlich eingerichteten Radiologischen Landeslage-zentrum zum Krisenmanagement nach dem Strahlen-schutzvorsorgegesetz eingerichtet sein.
Der Fachberater Strahlenschutz am Ort der Katastro-phenschutzleitung stützt sich auf die vom Radiologi-schen Lagezentrum erarbeitete Lage ab.
Räumungsbezirk
Räumungsbezirk ist ein in Evakuierungsplänen aufge-führtes Gebiet, das anhand von geografischen Merk-malen abgegrenzt wird. Die in einem Räumungsbezirk sich aufhaltende Bevölkerung wird ggf. separat (z. B. wegen des Beginns der Evakuierung) angesprochen.
REI
Richtlinie zur Emissions- und Immissionsüberwachung kerntechnischer Anlagen. Sie enthält Grundlagen und Zielsetzungen der Überwachung sowie Festlegungen über zu überwachende Umweltbereiche, Art der Mes-sungen und Probenahmen, einzuhaltende Nachweis-grenzen, Messorte und Messhäufigkeiten. Die Überwa-chung erfolgt in jeweils gesonderten Messprogrammen sowohl für den bestimmungsgemäßen Betrieb als auch für den Störfall/Unfall durch den Betreiber einer kern-technischen Anlage und durch unabhängige (i. A. be-hördliche) Messstellen.
Sammelplatz
Der Sammelplatz ist eine Einrichtung, an denen sich das Einsatzpersonal, insbesondere Messtrupps und Strahlenspürtrupps vor und während des Einsatzes sammeln. Er ist in der Regel gleichzeitig Probensam-melstelle.
Am Sammelplatz werden die Personendosimetrie und die Kontaminationskontrolle des Einsatzpersonals so-wie die Funktionskontrolle der Messgeräte durchge-führt. Außerdem kann dort entsprechende Zusatz- bzw. Erstausrüstung vorgehalten werden. Geräte für erste orientierende Messungen (Bestimmung des Nuk-lidvektors) an den angelieferten Proben sollen an die-ser Stelle ebenfalls vorhanden sein.
Sammelstellen
Sammelstellen sind in Evakuierungsplänen aufgeführ-te Orte, an denen sich Personen zusammenfinden, die mit von der Katastrophenschutzleitung organisierten Transportmitteln evakuiert werden.
Notfallplan-MZGEvakuierung
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Schnell ablaufendes Er-eignis
Ereignisablauf in einer kerntechnischen Anlage, bei dem als Folge eines Unfalls eine nennenswerte Frei-setzung kurzfristig, d. h. innerhalb weniger als sechs Stunden, erfolgen kann oder erfolgt. Wenn ein solches Ereignis frühzeitig nach dem auslösenden Ereignis ein-tritt, so dass für eine Analyse durch das Radiologische Lagezentrum nicht genügend Zeit vorhanden ist, muss die Katastrophenschutzleitung auf Empfehlung des Betreibers kurzfristig Schutzmaßnahmen der Bevölke-rung veranlassen. Eine solche Situation ist nur denk-bar, wenn der Betreiber mit der Einstufung „Katastro-phenalarm“ meldet, ohne dass es vorher eine Meldung mit der Einstufung „Voralarm“ gegeben hat.
Schutzfaktor
Der Schutzfaktor ist das Verhältnis der Dosis bei un-geschütztem Aufenthalt zur Dosis bei geschütztem Aufenthalt.
Schwellendosis
Eine Schwellendosis ist eine Dosis, unterhalb der kein deterministischer Effekt zu erwarten ist. Den ver-schiedenen deterministischen Effekten sind verschie-den Schwellenwerte zugeordnet.
Sievert (Sv)
Sievert ist die Einheit der Organdosis HT, der Äquiva-lentdosis H und der effektiven Dosis Deff.
Spaltprodukt
Ein Spaltprodukt ist ein Nuklid, das durch Kernspal-tung oder radioaktiven Zerfall der durch Kernspaltung entstandenen Nuklide entsteht.
Stochastischer Effekt
Stochastische Effekte sind Strahlenschäden, bei denen die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens mit zuneh-mender Dosis zunimmt, deren Schweregrad jedoch nicht dosisabhängig ist.
Folgen stochastischer Effekte können Krebserkran-kungen (somatischer stochastischer Strahlenschaden) oder Erbkrankheiten bei Nachkommen (genetischer stochastischer Strahlenschaden) sein.
Strahlenexposition
Strahlenexposition ist die Einwirkung ionisierender Strahlung auf den menschlichen Körper.
Ganzkörperexposition ist die Einwirkung ionisierender Strahlung auf den ganzen Körper.
Teilkörperexposition ist die Einwirkung ionisierender Strahlung auf einzelne Organe, Gewebe oder Körper-teile.
Äußere Strahlenexposition ist die Einwirkung durch Strahlungsquellen außerhalb des Körpers.
Innere Strahlenexposition ist die Einwirkung durch Strahlungsquellen innerhalb des eigenen Körpers.
Strahlenschutz-Grundsätze
Strahlenschutz-Grundsätze sind:
Die Rechtfertigung jeder Strahlenexposition,
Die Pflicht zur Dosisbegrenzung und zur Dosisreduzie-rung,
Die Vermeidung unnötiger Strahlenexposition
Notfallplan-MZGEvakuierung
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Strahlenschutz-vorsorgemaßnahmen
Strahlenschutzvorsorgemaßnahmen sind Maßnahmen, um die Strahlenexposition der Menschen und die ra-dioaktive Kontamination der Umwelt im Falle von Er-eignissen mit möglichen nicht unerheblichen radiologi-schen Auswirkungen unter Beachtung des Tandes der Wissenschaft und unter Berücksichtigung aller Um-stände so gering wie möglich zu halten. Dazu gehören vor allem Verbote und Beschränkungen im Bereich von Lebens-, Futter- und Arzneimitteln und Abfällen, Kontrollen und Beschränkungen im grenzüberschrei-tenden Verkehr sowie Empfehlungen für Verhaltens-weisen der Bevölkerung. Als Strahlenschutzvorsorge-maßnahmen werden auch Umsiedlungen betrachtet.
Strahlenspürtrupp
Strahlenspürtrupps werden zur Durchführung von Messaufgaben wie Ortsdosisleistungsmessungen und einfache Probenahmen (z. B. Boden- und Bewuchs-proben) eingesetzt. Sie werden im Allgemeinen von Einheiten des Katastrophenschutzes/der Feuerwehr gestellt. Wichtigstes Ziel ihrer Messungen ist die Veri-fizierung, dass in ihrem Einsatzbereich die eingreif-werte nicht überschritten werden.
Strahlenwirkungen
Strahlenwirkungen sind Auswirkungen der Energieab-sorption von Strahlung in Gewebe, die an den Biomo-lekülen Ionisation und/oder Anregungsvorgänge be-wirkt.
Umsiedlung
Die Umsiedlung ist die mittelfristige bis andauernde Verbringung der Bevölkerung aus einem kontaminier-ten Gebiet in nicht oder gering kontaminierte Gebiete.
Die temporäre Umsiedlung ist auf einen Zeitraum von einigen Wochen bis zu mehreren Monaten begrenzt; die betroffene Bevölkerung kann danach in ihre Wohngebiete zurückkehren; Dekontaminationsmaß-nahmen in Wohngebieten und auf Landflächen können die Dauer der temporären Umsiedlung verkürzen. Die Infrastruktur und alle Produktions- und Versorgungs-einrichtungen im betroffenen Gebiet können nach En-de der Maßnahme wieder genutzt werden.
Die langfristige Umsiedlung über einen unbestimmt langen Zeitraum ist dann erforderlich, wenn eine hohe Dosisleistung im betroffenen Gebiet aufgrund der Kon-tamination mit langlebigen Radionukliden nur langsam abnimmt. Als Konsequenz muss die betroffene Bevöl-kerung in anderen Gebieten neu angesiedelt und in das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben integ-riert werden. Dazu gehört auch die Schaffung von Wohnraum.
Notfallplan-MZGEvakuierung
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Vorverteilung von Jod-tabletten
Die Vorverteilung von Jodtablettenbedeutet die ereig-nisunabhängige Vorverteilung an die haushalte in der unmittelbaren Umgebung von Kernkraftwerken. Durch diese Maßnahme soll erreicht werden, dass im Ereig-nisfall Jodtabletten bei der betroffenen Bevölkerung schnell verfügbar sind. Im Ereignisfall sollten die Tab-letten vor einer Inhalation von Radioiodid eingenom-men werden können.
Die Durchführung der Vorverteilung kann nach Arz-neimittelgesetz nur über Apotheken und zentrale Be-schaffungsstellen erfolgen.
Die Vorverteilung muss in der Regel im Ereignisfall durch eine weitere Verteilaktion ergänzt werden, da vorverteilte Jodtabletten in den Haushalten verloren gegangen sein können oder die Tabletten überhaupt nicht abgeholt wurden.
Warnung
Information an die Bevölkerung mit der Aufforderung im Warntext genannte Schutzmaßnahmen zu ergrei-fen. Zur Durchführung der Warnung können verschie-dene Informationskanäle (z. B. Telefon, ortsfeste und mobile Lautsprecher, Sirenen, Rundfunkdurchsagen, Videotext, Internet) einzeln oder in Kombination zur Anwendung kommen.
Zentralzone
Die Zentralzone ist eine Planungszone, in der alle Alarmmaßnahmen 2 vorzubereiten sind. Sie hat bei Kernkraftwerken einen Radius von etwa 2 km. Maß-nahmen in der Zentralzone sind wegen der Nähe zur betroffenen Anlage besonders dringlich und werden im Allgemeinen unabhängig von der Ausbreitungsrichtung durchgeführt.

Anmerkung:
Der Interne Teil des Notfallplanes ist wegen Datenschutz und sensibler Planungsdaten nicht zur Veröffentlichung bestimmt.

Weitere Quellen:

Broschüre des Saarlandes zum Thema Notfallschutz

Broschüre der Luxemburgischen Regierung: Was tun bei Atomalarm?

Informationen zu den Sicherheitsvorkehrungen im Landkreis Merzig-Wadern

Internetseiten zu den Themen Radioaktivitätsüberwachung, Strahlenschutz etc.: Radioaktivitätsmessungen der Umweltämter der Länder Rheinland-Pfalz und Saarland:

Meßwertübersicht innerhalb der beiden Länder

Biringen I

Biringen II

Perl I

Perl II

Bundesamt für Strahlenschutz:

Allgemeine Infos

Messstationen im Kreis:

Beckingen-Düppenweiler

Perl-Borg

Mettlach-Orscholz

Merzig-Silwingen

Mettlach

Losheim-Scheiden

Weitere Links:

Informationen vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Informationen zum Thema der Einnahme von Jodtabletten

Französische Atombehörde: Autoritè de Suretè Nuclèaire

Betreiber des AKW Cattenom: Electricitè de France

Abrufbare Messwerte von Lothringer Messstationen

Veröffentlichungen der Strahlenschutzkommission im Bundesamt für Strahlenschutz

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit